Trouble in Paradise

(Ärger im Paradies)

Ernst Lubitsch, 1932 (IMDb)




Der Regisseur


  • Geboren 1892 in Berlin, gestorben 1947 in Los Angeles
  • Deutsch-US-amerikanischer Filmregisseur und Schauspieler
  • War Schüler von Max Reinhardt, dem damaligen Intendanten des Deutschen Theaters
  • Kommt von relativ schwankhaftem Theater
  • Begann seine Filmkarriere in Deutschland, wo er sehr erfolgreich war, und ging dann wegen der extrem guten technischen Möglichkeiten nach Hollywood
  • Drehte zunächst vor allem Slapstick-Filme, dann aber auch in anderen Genres, vornehmlich historische Kostümfilme und Komödien
  • Seine Historienfilme Anna Boleyn (1920) und Das Weib des Pharao (1922) waren internationale Erfolge, letzterer dann auch die Eintrittskarte nach Hollywood; Lubitsch hatte damals aber auch noch weitere Filme in Hollywood im Verleih
  • Seine Filme waren bis auf Ninotschka (1939) nie Kassenschlager; die Masse fand die Filme fremd, unanständig, unangenehm und die Ironie störend; Lubitsch konnte sich trotzdem in Hollywood halten
  • Dachte immer sehr geldsparend, schrieb seine Drehbücher großteils selbst und produzierte sie schon früh selbst
  • Hatte einen extrem guten Überblick über die Kosten und Abläufe; seine Filme gingen nie über Budget
  • Um Geld zu bekommen produzierte er auch Filme anderer, war aber darin nicht so erfolgreich
  • Seine Filme bekamen oft gute Kritiken, die produzierenden Studios konnten ihren Ruf aufpolieren
  • Setzte durch, dass der Name des Regisseurs groß präsentiert wurde ("The Name above the Title")
  • Hat Filme gegen Konventionen gemacht (siehe unten: Probleme für Lubitsch durch den Hays Code)

Lubitsch' Genres:
  1. Historienfilme, enorme Ausstattungsepen mit Massenszenen
  2. Klamaukige Komödien, erotischer Touch, spielten meist in Europa (Europa als dekadent)

Lubitsch' Stil:
  • War ein ausgesprochener Stilist: erzählte in seinen Komödien immer leichtfüßige, meist belanglose Geschichten, wobei ihm die Art der Erzählung wichtiger war als der Inhalt; wichtig war ihm nur, wie man es erzählt, nicht was
  • Kam zur Stummfilmzeit mit extrem wenigen Zwischentiteln aus
  • Arbeitete viel mit visuellem Witz
  • Setzte gern aufwändige Kamera-/Kranfahrten ein
  • Die Kamera im Dienste der Schauspieler: lange Szenen geben Schauspielern mehr Interpretationsfreiheit
  • Setzte in Hollywood immer sehr viele Stars ein
  • Häufig Humor über das Verhalten von Europäern in Amerika (z.B. Versuch, einen Pyjama ohne Hose zu kaufen, da diese sowieso nicht verwendet wird)
  • Verwendete anfangs keine Establishing Shots, erst später Anpassung an Hollywood und Einsatz
  • In Hollywood festgelegte Regeln, wie man z.B. einen Ortswechsel vollziehen musste; erzeugt "anonymen Stil"
  • Räume entstehen nur über die Montage, nicht als Architektur; dies wurde auch für Witze verwendet
  • Lubitsch spielte den Schauspielern immer die Szenen vor und wollte, dass sie es auch so spielten; dadurch gab es im Spiel seiner Schauspieler immer eine gewisse Ähnlichkeit

Der "Lubitsch Touch":
  • Markenzeichen seiner mitunter frivolen Gesellschaftskomödien
  • Besteht darin, nicht alle Details der Handlung zu zeigen, sondern es dem Zuschauer zu überlassen, die Handlung zu vervollständigen
  • Spiel mit Andeutungen
  • Meist mit Objekten verbunden
  • Oft mit Türen: das was dahinter passiert
  • Im damals noch sehr sittenstrengen Amerika mit seinen scharfen Zensurbestimmungen vermag Lubitsch auf diese Art durchaus gewagte Situationen und Doppeldeutigkeiten in die Handlung zu integrieren, ohne dabei ins Schlüpfrige oder Vulgäre abzurutschen
  • Eine Geisteshaltung/Einstellungsfrage
  • Die amerikanischen Kritiker bezeichnen diese Mischung gerne als naughty, but nice

Hintergrund


  • Basiert sehr lose auf Episoden aus dem Leben des bekannten Betrügers Georges Manolescue
  • Lubitsch war seit Mitte der 1920er zu einem der bekanntesten Regisseure in Hollywood geworden
  • Aufgrund der teilweise gewagten und zweideutigen Dialoge konnte der Film nach der Einführung des Hays Code (/Production Code) nicht mehr kommerziell aufgeführt werden

Probleme für Lubitsch durch den Hays Code:
  • War eine Zusammenstellung von Richtlinien zur Herstellung von US-amerikanischen Spielfilmen im Hinblick auf die moralisch akzeptable Darstellung besonders von Kriminalität und sexuellen Inhalten
  • Ziel: keine Zweideutigkeiten, keine Bibelgeschichten mehr, fast keine Sexualität (nicht länger als 10 Sekunden küssen, keine unverheirateten Paare in einem Zimmer schlafen, kein Bett im Hintergrund etc.)
  • Für Lubitsch desaströs/Krise, da dies genau sein Stil war Filme zu machen
  • Kodex wurde eingeführt angesichts drohender Zensurgesetze von Seiten der Regierung
  • War niemals gesetzlich verankert; Filmen, die gegen ihn verstießen, drohte jedoch ein von der "Catholic League of Decency" organisierter Kinoboykott
  • Ab 1930 zunächst auf freiwilliger Basis
  • Wurde ab 1934 für Filmproduktionsunternehmen zur Pflicht
  • Lubitsch machte danach drei Jahre Pause, ab dann sehr an den Hollywoodstil angepasste Filme, die mehr das Zwischenmenschliche mit feiner Ironie zeigen (Lubitsch verlegte den Witz mehr auf die Dialoge, weniger auf die Bilder)
  • Lubitsch' filmische Qualität blieb auf der Strecke; er machte zwar keine schlechten Filme, aber keine solchen filmischen "Leckerbissen" wie zuvor
  • Der Hays Code wurde erst 1967 abgeschafft

Die Bergkatze (1921):
  • Fokus auf Stil
  • Jede Einstellung hat eine andere Vignette: Kreis, Stern, Breitwand, etc.

To Be or Not to Be (1942):
  • Melancholische Komödie über das Dritte Reich
  • Lubitsch war Jude wurde aber für diesen Film trotzdem sehr kritisiert
  • Genre-Mix: politischer Propaganda-Film mit Stellungnahme gegen das Nazi-Regime, erotische Liebeskomödie mit Dreiecksgeschichte, und Verwechslungskomödie
  • Keine wirklichen Helden, jeder der Protagonisten hat dunkle Seiten oder benimmt sich unmöglich
  • Film spielt mit dem Entsetzen
  • Witze fast ausschließlich in den Dialogen

Handlung


Gaston und Lily sind zwei Diebe und Betrüger, die sich zufällig in Venedig kennen lernen, als sie sich gegenseitig auszurauben versuchen. Sie verlieben sich ineinander und beschließen, fortan zusammenzuarbeiten. In Paris haben sie es auf Mariette Colet abgesehen, der Erbin von Cole and Company, einer berühmten Parfümerie. Eines Abends in der Oper stiehlt Gaston die juwelenbesetzte Handtasche von Mariette. Diese setzt eine Belohnung für den ehrlichen Finder in Höhe von 20.000 Francs aus. Gaston erscheint bei Mariette unter dem Namen Monsieur LaValle. Der charmante Finder kritisiert Mariette dafür, intime Korrespondenz offen in der Handtasche zu tragen.
  • If I were your father, which fortunately I am not and you made any attempts to handle your own business affairs, I would give you a good spanking. In a business way of course.
Mariette fragt sehr interessiert
  • What would you do if you were my secretary?
Monsieur LaValle, alias Gaston, erwidert trocken
  • The same thing.
Die Antwort von Mariette ist kurz:
  • You’re hired!
Beide beginnen eine Affäre und Mariette entwickelt eine echte Zuneigung für den charmanten Sekretär. In der Zwischenzeit erhält sie, angestachtelt von der Konkurrenz, Heiratsanträge von zwei, im wahrsten Sinne, alten Verehrern. Sie weist zunächst Francois Filiba ab:
  • You see Francois, marriage is a beautiful mistake which two people make together. But with you Francois, I think ist would be a mistake.
Mit der gleichen Offenheit lehnt sie den Antrag des Bürgermeisters ab.
  • Don’t be downhearted, Major. You’re not the only one I don’t love.
Nach einiger Zeit findet Mariette die wahre Identität von Gaston heraus. Sie weiß um seine Liaison mit Lily und verzichtet großherzig auf eine Anzeige. Zum Abschied fragt sie Gaston, alias Monsieur Le Valle
  • Do you know what you’re missing?
Gaston lächelt, öffnet den Verschluss des berühmten Perlenkolliers von Mariette und lässt es in seine Tasche gleiten. Mariette erwidert freundlich
  • That’s what you’re missing...your gift for her.....With compliments from Colet and Company.
Der Film endet mit Gaston und Lily, die mehr oder weniger glücklich in die Zukunft blicken.
(Quelle: Wikipedia)

Stil


  • Hauptpersonen sind beides Verbrecher und werden am Ende nicht bestraft: es gibt keine Moral, wie sonst zu dieser Zeit immer üblich
  • Charaktere werden die ganze Zeit während der Ausübung ihres Berufes gezeigt
  • Film zeigt, dass es egal ist was man macht: wichtig ist wieviel Erfolg man hat – egal wie unmoralisch dieser erreicht wird
  • Problem der Mehrsprachigkeit der frühen Tonfilme wird persifliert: Dolmetscher direkt im Bild
  • Gekonnter, humorvoller Umgang mit Türen sehr typisch für Lubitsch: Spiel mit der Erwartung der Zuschauer; die Liebesbeziehung funktioniert nur über das Wechselspiel, wer aus welcher Tür herauskommt