The Birth of a Nation

(Die Geburt einer Nation)

David Wark Griffith, 1915 (IMDb)




Der Regisseur


  • War US-amerikanischer Regisseur, Schauspieler und Filmproduzent
  • War der einflussreichste und erfolgreichste amerikanische Stummfilm-Regisseur
  • Drehte mehr als 450 (Kurz-)Filme, von denen mehr als 400 noch erhalten sind
  • War als Schauspieler nicht sehr erfolgreich
  • Gilt vielen als Begründer des Erzählkinos und als Schöpfer der "filmischen Grammatik"
  • Hat die Wirkungen/Möglichkeiten neuer filmischer Techniken (z.B. Großaufnahme) dramaturgisch eingesetzt
  • War einer der ersten, der Regie im heutigen Sinne verstanden und umgesetzt hat
  • Film als Medium war damals verachtet, als niedrig, nicht ernstzunehmen angesehen
  • Verstand Film als ernstzunehmende Kunst, die abendfüllende Unterhaltung bieten kann
  • Setzte eine Mischung aus Studioaufnahmen und Drehs an realen Schauplätzen ein
  • Setzte auf die Erzählung in Bildern
  • Ist berühmt für den Einsatz der Parallelmontage, inhaltlich meist mit Rettung in letzter Sekunde
  • Zeigte Frauen immer als Kindfrauen

Bedeutung für Hollywood:
  • Griffith war eine außerordentlich entscheidende Figur für Hollywood
  • Hollywood war damals ein kleines Dorf
  • Griffith wollte außen drehen
  • Wahl fiel auf Hollywood, da es dort sehr wenig regnete
  • Erzeugt Wachstum in der Region, trieb Entwicklung der Filmindustrie maßgeblich voran
  • Aufkommen des Star-Systems
  • Griffith hat sich dagegen gewehrt, wollte selbst der Star sein
  • Griffith hat seine Schauspieler nie im Vorspann genannt

Hintergrund


  • Einer der ersten abendfüllenden Langspielfilme
  • Erzählprinzipien heute noch verbreitet, z.B. Spannungsbögen; im Kern von Griffith etabliert
  • Basierte auf den rassistischen Romanen The Leopard´s Spots (1902) und The Clansman (1905) und dem Theaterstück The Clansman von Thomas Dixon
  • War der bis dahin teuerste Film der Filmgeschichte und ist der finanziell erfolgreichste Film der Stummfilmgeschichte: kostete rund 110.000 Dollar und spielte zwischen 50 und 100 Millionen Dollar ein
  • Besteht aus zwei Teilen:
  1. Zeit vor und während des Amerikanischen Bürgerkriegs (der erste Krieg, der relativ konsequent mit Fotos dokumentiert ist)
  2. Zeit der Reconstruction in den besiegten Südstaaten
  • Einsatz von Feldtelefonen für die Koordination der Massenszenen
  • Kennzeichnete den Beginn des Star-Phänomens bei Schauspielern: alle Schauspieler waren zu diesem Zeitpunkt Laien und wurden durch Griffith in den 20er Jahren zu großen Stars
  • Mae Marsh war beim Dreh etwa 19 Jahre alt und spielte eine 14-jährige
  • Stark rassistischer Film (Bürgerkriegsfilme meist aus der Sicht der Südstaaten)
  • Sklaven werden als Menschen zweiter Klasse dargestellt
  • Alle wichtigeren Rollen farbiger Figuren wurden von geschwärzten weißen Schauspielern gespielt
  • Propagandistische Wirkung des Mediums Film
  • Griffith empfand die Proteste gegen rassistische Züge des Films als gute Werbung für den Film
  • Griffiths Reaktion auf Vorwürfe des Rassismus: antirassistischer Film Broken Blossoms (1919), der eine pro-chinesische Haltung einnimmt

Handlung


Siehe Wikipedia-Artikel zum Film

Stil


  • Fast dokumentarische Darstellung des Bürgerkriegs
  • Teilweise Nachstellen der im Amerikanischen Bürgerkrieg entstandenen Kriegsfotos (Standbilder von Mathew Brady, enorme Belichtungszeit)
  • Kreativer Umgang mit Bildformaten, Einsatz von Cache
  • Erstmals auch Rückenansicht von Schauspielern
  • Starker Einfluss vom Melodram, in der Tradition des 19. Jahrhunderts
  • Große Sorgfalt bei der Gestaltung der Kostüme, Authentizität
  • Lachen in einer Angstsituation: fast schockierend und sehr ungewöhnlich für damalige Zeit
  • Sterbe-Szene: der Reflektor wird fallengelassen, sodass nur noch die Spitze (Lichtkante von der Sonne) bleibt

Lichtgestaltung:
  • Viele Außendrehs mit malerischer Bildkomposition und Lichtsetzung: genaue Lichtplanung notwendig
  • Raffinierter Umgang mit natürlichem Licht
  • Viele Szenen mit Sonne kurz vor Untergang: Schauspieler wie glühend
  • Damals noch keine Lampen für Außendrehs, aber Arbeit mit Reflektoren: Leintücher, sehr weiches Licht
  • Alle Innenszenen sind auch Außensdrehs: Sets ohne Decke
  • Sonne entgegen Kamera, tiefer Sonnenstand, Glühen, Überstrahlungseffekte, Spitzenlicht
  • Zangenlicht bei Nahaufnahmen

Schauspiel:
  • Für heutige Verhältnisse/Gewohnheit sehr eigenartig, heikel
  • Sehr theatralisch, keine Angst vor großen Emotionen
  • Choreographisch, balettartig
  • Keine Pantomime: nicht nur Gesten, sondern auch (unhörbar) Gesprochenens

Einsatz von Zwischentiteln:
  • Nur wenige Zwischentitel
  • Erzählung eher über Bilder
  • Oft Zwischentitel als Ankündigung, was als nächstes geschieht
  • Das Was ist geklärt, das Wie wird gezeigt
  • Zielt auf andere Art von Aufmerksamkeit der Zuschauer ab

Wichtigste Filmtechniken:
  • Eigens geschriebene Filmmusik für Orchester, mit speziell ausgesuchten Themen für die wichtigsten Charaktere
  • Nachtaufnahmen mit Hilfe von Magnesiumfackeln
  • Verwendung von echten Landschaften für den Bildhintergrund
  • Kühner Einsatz von Kamerafahrten und Kameraperspektiven
  • Verwendung der Irisblende, um durch Vergrößerung oder Verkleinerung eines Bildausschnitts bestimmte Details hervorzuheben
  • Parallelmontage
  • Einfärbung bestimmter Sequenzen
  • Verwendung leinwandfüllender Nahaufnahmen
  • Inszenierung von Schlachtszenen mit Hunderten von Statisten
  • Inszenierung eines dramatischen Filmhöhepunkts

Links