Suna no onna

(Die Frau in den Dünen)

Hiroshi Teshigahara, 1964 (IMDb)




Der Regisseur


  • Weit weniger bekannt als die drei großen japanischen Regisseure Akira Kurosawa, Yasujiro Ozu und Kenji Mizoguchi
  • Sohn des in Japan berühmten Malers und Ikebana-Künstlers Sofu Teshigahara
  • Begann seine Filmkarriere als Kritiker
  • Drehte in den frühen 1950er Jahren erste Dokumentarfilme
  • Hat immer wieder kleinere Filme in Japan gemacht
  • Hat nicht wie die drei japanischen Großmeister ein großes Oeuvre, sondern nur vereinzelt Meisterwerke gemacht
  • War 1966 mit Suna no onna als Bester Regisseur für den Oscar nominiert

Hintergrund


  • Bekanntestes Werk Teshigaharas
  • Erhielt bei den Filmfestspielen von Cannes 1964 den Spezialpreis der Jury
  • War 1965 für den Oscar als bester fremdsprachiger Film nominiert
  • Basiert auf dem gleichnamigen Roman von Kobo Abe, der auch das Drehbuch zum Film schrieb
  • Ist voll von irrealen, nicht logisch erklärbaren Dingen/Geschehnissen
  • Nähe zum Absurden Theater: Sinnlosigkeit ist eigentlicher Sinn
  • "Filme die [unkonventionell] Neuland betreten brauchen sehr viel Geduld vom Publikum" - Zitat F. v. d. K.

Handlung


Ein Mann begibt sich auf der Suche nach seltenen Insekten in eine einsame Küstengegend. Als er den letzten Bus zurück in die Stadt verpasst und eine Unterkunft für die Nacht sucht, wird er von einigen Dorfbewohnern zum Haus einer allein lebenden Frau gebracht, das unter einer Klippe liegt, die er mit Hilfe einer Strickleiter hinunterklettern muss. Die Frau bewirtet ihn, und beginnt, während er sich schlafen legt, den durch jede Ritze dringenden Sand wegzuschaffen.

Am nächsten Morgen muss der Mann feststellen, dass das Haus nicht nur von der Klippe sondern auch von unüberwindbaren Dünen rundum umgeben ist. Die Dörfler haben die Leiter hinaufgezogen, er ist gefangen. Von der Frau erfährt er, dass er zu ihrer Unterstützung festgehalten würde, da sie alleine nicht gegen die vordringenden Dünen ankämpfen könne, von denen auch das Dorf bedroht sei. Empört unternimmt er mehrere vergebliche Ausbruchversuche, fesselt die Frau und verweigert die Kooperation, muss jedoch einsehen, dass sie beide zur Versorgung auf die Dörfler angewiesen sind, und nimmt resigniert den Kampf gegen den Sand auf.

Er und die Frau mit den so ganz anderen Ansichten über das Leben kommen sich näher und beginnen eine Affäre, die durch die Sehnsucht des Mannes nach Freiheit immer wieder getrübt wird. Eines Tages entdeckt er jedoch, dass sich im Boden zwischen den Dünen Wasser sammelt, das sich gewinnen lässt. Er beginnt, das Phänomen zu untersuchen, und als sich ihm endlich die Möglichkeit zur Flucht bietet, erkennt er, dass sein altes Leben ihm nichts mehr zu bieten hat. Er bleibt bei der Frau in den Dünen.

(Quelle: Artikel der deutschen Wikipedia)

Stil


  • Mann wird durch Betrug in Sandgrube gelockt (Falle), ist also eigentlich unschuldig, Sympathie des Zuschauers
  • Film ist in fünf Fluchtversuche strukturiert
  • Sandgrube wirkt wie Isolierzelle, aus der es kein Entkommen gibt (dramatische Situation)
  • Frau scheint nähere Beziehung zum Sand zu haben
  • Darstellung des Körpers der Frau und der Sanddünen wie eine Regelfläche
  • Frau hat sich mit ihrem Schicksal abgefunden, ist Teil ihrer Umgebung geworden, Mann als Opposition
  • Enge der Grube und vordringender Sand bringen Mann und Frau indirekt zusammen
  • Natur, Elemente (Sand, Regen) als dritter Protagonist (Dorfbewohner sind vierter Protagonist)
  • Szene Spaten: erste Berührung zwischen Mann und Frau, Natur wie eifersüchtig
  • Subjektiven des Sandes angedeutet mit nervöser Handkamera (sonst Aufnahmen mit Stativ)
  • Kleidung des Mannes, Erscheinungsbild wird im Verlaufe des Films immer japanischer ("Zurück zur Tradition", "Zurück zur Natur")

Sounddesign:
  • Für damalige Zeit ungewohnt vielseitiger, intensiver, dramaturgischer Umgang mit Tonspur
  • Unterschied zwischen Musik und Geräuschen verschwindet
  • Ton nimmt Rolle der Natur ein, repräsentiert deren Gefühlsleben, Sand hat Klang wie eine lebende Person
  • Üblicherweise Filmmusik immer nur untermalende, unterstützende Funktion; hier: Haltung der Musik viel unabhängiger, vielseitiger, narrativer: Suspense, Natur, körperliche Annäherung
  • Alle Bedrohungen, die von den Dünen ausgehen, gehen von Gleitbewegung des Sandes in den Boden der Grube aus: Darstellung auf Tonebene: Streichinstrumente, hoher Ton, langsam sinkend, Gleitklang
  • Tokio in Anfangssequenz nur in Tonspur vorhanden
  • Gongs: lang anhaltend, völlig andere Zeitstruktur (damit wird z.B. das Müdewerden der Frau durch Sake repräsentiert)
  • Ton macht Filme körperlich, Geräusche sind die effektivste Art, Körper im Film präsent zu machen: z.B. übertriebene Soundeffekte bei Schlägereien
  • Körperlichkeit/körperliche Nähe wird durch das Rieseln von Sand und anderen abstrakten Tönen untermalt
  • Umgebung ist generell akustisch präsenter als die Menschen

Die verschiedenen Geräusch-/Musiktypen:
  • Stille
  • Gong (wie andere Zeitebene)
  • Gleitklang (Sand)
  • Gesang
  • Radio (repräsentiert Zivilisation)
  • Stadtgeräusche (Anfangssequenz)
  • Lichtklang: Licht wirkt bedrohlich indem es durch bedrohliche Musik betont wird

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