Stalker

Andrei Tarkowski, 1979 (IMDb)




Der Regisseur


  • Sowjetischer Regisseur
  • Sohn eines Lyrikers (Dichter werden in Russland sehr verehrt)
  • Talent schon früh entdeckt und gefördert
  • Studierte in den 1950er Jahren vor seinem Filmstudium Musik, Malerei, Bildhauerei, Orientalistik und Geologie
  • Hat in Sowjetunion alle Unterstützung gehabt, obwohl er oft quer gegen das System gegangen ist
  • Sehr anspruchsvoll
  • Stark inspiriert von Ingmar Bergman
  • Hat mit Bergmans Stammkameramann Sven Nykvist in Schweden Offret (1986) gedreht
  • Einfluss auf Theo Angelopoulos und Miklós Jancsó

Tarkowskis Stil:
  • Seine Filme zeigen ein poetisches Weltbild voller Metaphern, Art von Mysterium, was auch deren Reiz ausmacht, haben oft etwas Surreales, Übersinnliches, Mystisches
  • Auseinandersetzung mit dem Glauben als zentrales Element/Thema: Religion und Erfahrbarkeit der Religion
  • Arbeitete oft mit malerischen Tableaus
  • Immer wieder Plansequenzen mit einem unverwechselbaren Stil
  • Machte gern Kamerafahrten, bei denen er in einem Winkel von fast 90° den Boden/eine Wasseroberfläche filmen ließ
  • Traum und Realität verschwimmen (vgl. Bergman)
  • Arbeit mit Ton, Geräuschen und Musik, wie bei Bergman subtil, außerordentlich suggestiv
  • Wiederkehrende Elemente: Feuer, Wasser, Regen, Spiegel
  • Räume wie von der Natur zurückerobert: vermodert, überwachsen, als würden die Räume eine Seele haben, leben
  • Alle Effekte direkt am Set/vor der Kamera

Tarkowskis Plansequenzen:
  • Technischer Aufwand bei Dreharbeiten oft enorm hoch, manchmal tagelange Proben, große Anspannung bei allen Beteiligten
  • In Sowjetunion größtes Problem beim Filmemachen nicht die Finanzierung oder wie lange man dreht, sondern die "ideologische Eignung", ob man einen Film bei der staatlichen Filmproduktion durchbekommt
  • Problem für Tarkowski: später Drehs in Europa, bei denen Plansequenz schiefgegangen ist, die aufgrund des Budgets nicht neu gedreht werden konnte; für Tarkowski plötzlicher Kostendruck; er hätte seinen Stil ändern müssen

Tarkowskis Der Spiegel (1975):
  • Biografischer Film
  • Enorme Sehnsucht nach der Geborgenheit der Jugend
  • Sepia-Tönung/Schwarzweiß für Traumsequenzen
  • Einsatz von Zeitlupen
  • Erinnerung ist für Tarkowski weniger die Erinnerung an konkrete Personen, Orte oder Situationen, sondern eher die Erinnerung an bestimmte Emotionen, Gefühlszustände
  • Szene Das Feuer: Auflösung genau entgegen der Erwartung/Konvention

Hintergrund


  • Tarkowskis zweiter Science-Fiction-Film nach Solyaris (1972, großer Einfluss auf Blade Runner)
  • Dreh der ersten Version des Films in Breitwand begonnen, doch Tarkowski war mit den Schauspielern nicht zufrieden, so dass er den Dreh abbrechen und den Film verbrennen ließ – "eine Extravaganz, die sich in der damaligen UdSSR wohl kein anderer Regisseur der staatlichen Filmproduktion hätte leisten dürfen" (Wikipedia)
  • Dreh der zweiten Version im Academy-Format (1,37:1) mit einem anderen Kameramann
  • Der Film stellt eigentlich eine außerordentlich einfache Fabel dar: Initiationsreise, Pilgerreise, spirituelle Reise in Innere, die Suche nach Erleuchtung
  • Eindeutig religiöser Film, typisch für Tarkowski, religiöses Empfinden ganz zentral

Anekdote von F. v. d. K.:
  • Erste Reaktion auf den Film: religiöser Quark, das ist nichts für mich
  • Seine Frau hat den Film dann auch gesehen, und gesagt, er solle ihn sich doch nochmal ansehen
  • Der Rest ist (Film-)Geschichte

Handlung


Ausgangspunkt der Handlung ist eine in Zeit und Ort nicht näher beschriebene Stadt, die am Rande eines als "Zone" bezeichneten Gebietes liegt. In dieser Zone geschehen seltsame Dinge, es gibt rätselhafte Erscheinungen, deren Ursache zum Zeitpunkt der Handlung schon Jahre zurückliegt und nur vermutet werden kann. War es der Besuch einer außerirdischen Zivilisation oder ein merkwürdiger Meteoriteneinschlag – man weiß es nicht. Das Gebiet wurde evakuiert, abgesperrt und steht unter schwerer militärischer Bewachung.

Der "Stalker" (hier im Sinne eines Pfadfinders, Ortskundigen oder auch Kundschafters) verdient sich seinen Lebensunterhalt damit, Leute durch den Sperrgürtel zu bringen und sie innerhalb der Zone zu führen. Er hat ein Gespür für diesen sich ständig verändernden Ort entwickelt, fühlt die Gefahren im Voraus und hat seine Methoden, den tödlichen Fallen, die die Zone stellt, auszuweichen.

Zwei seiner Kunden, der "Professor" und der "Schriftsteller", wollen aus unterschiedlichen Motiven an einen Ort gebracht werden, der sich in der Zone befindet und der als "Raum der Wünsche" bezeichnet wird. An dieser Stelle gehen, glaubt man der Legende, die geheimsten, innigsten Wünsche in Erfüllung. Während der Schriftsteller sich die ihm seit einiger Zeit fehlende Eingebung zurückwünschen möchte, hat der Professor völlig andere Absichten: Er will diesen Raum zerstören, weil er dessen Missbrauch befürchtet. Aber auch der Stalker selbst hat seine Gründe, an diesen Ort zu gehen. Seine Tochter ist krank, der Beruf des Vaters und das Leben nahe der Zone haben an dem Mädchen ihre Spuren hinterlassen. Dieser Wunsch ist so stark, dass er sogar bereit ist, seine beiden Begleiter zu opfern.

Die gefährliche Expedition bleibt auf die Reisenden nicht ohne Wirkung. Unterwegs werden Lebensansichten und Weltbilder hinterfragt, Hoffnungen und Zweifel treten zutage - die Protagonisten haben sich gleichzeitig auch auf eine innere Reise begeben. Am Ziel müssen alle drei schließlich erkennen, dass ihnen dieser Ort nicht helfen kann, ihre Probleme zu lösen oder - je nach Blickwinkel - sie nicht bereit sind, den Raum der Wünsche zu benutzen.

(Quelle: Artikel der deutschen Wikipedia)

Stil

(siehe auch oben: Tarkowskis Stil)

  • Eigenwillige Bildsprache, verschlüsselten Symbolik, sparsame Dialoge
  • Immer wieder extrem lange Travellings, Plansequenzen
  • Nimmt sich unglaublich viel Zeit, um eine große Intensität aufzubauen
  • Treiben in den Bildern, magische Bilder
  • Spannung zwischen Real- und Erzählzeit
  • Postapokalyptische Atmosphäre
  • Farbgestaltung: Film am Anfang schwarzweiß, farbig erst beim Eintritt in die "Zone"
  • Reise ins innere der verwüsteten "Zone" als spirituelle Reise ins Innere seiner selbst
  • Die "Zone" als Ort der spirituellen Erneuerung
  • Stacheldrahtzäune des Checkpoints am Eingang zur Zone als Assoziation mit Eisernem Vorhang
  • Bewegendes Glas über Tisch am Ende des Films ist Zitat an das zitternde Glas in Bergmans Tystnaden (1963), Szene Der unheimliche Armeetank
  • Starke Dehnung der Zeit, dadurch teilweise etwas langatmig (z.B. extrem lange Fahrt in die Zone hinein)