Stagecoach

(Ringo)

John Ford, 1939 (IMDb)




Der Regisseur


  • Geboren 1894, gestorben 1973
  • Spezialist für Western, hat sich hauptsächlich im Western-Genre betätigt, aber auch in anderen Genres gearbeitet
  • Enorm lange Karriere (Regie ab 1917)
  • Viele Regisseure (z.B. Orson Welles) sahen/sehen ihn als einen der größten Regisseure der Filmgeschichte (Welles hat sich Stagecoach in den RKO-Studios dutzendfach vorführen lassen, um über das Filmemachen zu lernen)
  • Präzise Planung von Einstellungen, Motto für den Schnitt: "Schneide die Klappe weg, dann hast du den Film."
  • War in Interviews äußerst sarkastisch (Beispiel: Ford brachte Jean-Luc Godard in Verlegenheit, damals ein junger Journalist für "Les Cahiers du Cinema", mit seiner Antwort auf die Frage Godards "What Brought you to Hollywood?": "A train")
  • Eigener Lieblingsfilm (laut Interview): The Sun Shines Bright (1953)
  • Gewann mehr Regie-Oscars (nämlich vier) als jeder andere Regisseur
  • Trug seit 1956 eine Augenklappe, nachdem er nach einer Operation am Auge einseitig erblindete, weil er zu ungeduldig war und die Verbände zu früh entfernte

Four Sons (1928):
  • Berühmte Szene mit Baby, oft kopiert: Kind wird auf der Flucht in Prärie vergessen, galoppierende Reiter traben heran, Kind wird in letzter Sekunde gerettet

The Iron Horse (1924):
  • Thematisiert den Bau der ersten US-amerikanischen transkontinentalen Eisenbahnverbindung
  • Großer Aufwand: Eisenbahnstrecke (inkl. Eisenbahn) nachgebaut

Hintergrund


  • Basiert auf der Erzählung Stage to Lordsburg (dt. Postkutsche nach Lordsburg) von Ernest Haycox
  • Machte John Wayne zum Star und das Monument Valley (siehe auch unten) als klassische Western-Kulisse bekannt (die Landschaft als Star)
  • War für sieben Oscars nominiert, gewann zwei (siehe IMDb)
  • Western-Genre klassischerweise sehr rassistisch/einseitig gegenüber Indianern: Indianer immer als Bösewichte; Filme mit Standpunkt der Indianer erst sehr spät aufgekommen, z.B. Little Big Man (1970)

Kameramann Bert Glennon:
  • Hat in harter Schule gelernt: war Kameramann von Josef von Sternberg z.B. bei The Scarlet Empress (1934)
  • War 1940 für zwei Kamera-Oscars nominiert: "Best Cinematography, Black-and-White" für Stagecoach, "Best Cinematography, Color" für Drums Along the Mohawk (1939, Regie: ebenfalls John Ford)
  • Blonde Venus (1932): Licht als sinnliche, fast erotische Qualität
  • The Red House (1947): extremes low-key Licht, Lichtpunkte, fleckiges Licht (eine C-Horrorfilm)
  • Young Mr. Lincoln (1939): z.B. sehr hohes, steiles Licht; Figuren im Schatten, Lichtpunkt auf Schuh
  • Drums Along the Mohawk (1939): erster Farbfilm Glennons; Ziel: Möglichkeiten des Schwarzweißfilms übertragen auf den Farbfilm; z.B. flackerndes, waberndes Licht durch Regen und Feuer

Handlung


Der Film erzählt die Geschichte einer von neun Personen unternommenen Postkutschenfahrt von Tonto (Arizona) nach Lordsburg (New Mexico).
Siehe Artikel in der Wikipedia.

Stil


  • Erster Eindruck der Figuren stellt sich als falsch heraus: Figuren sind nicht so, wie sie scheinen, z.B. ist die vermeintlich verruchte Prostituierte Dallas eine sehr anständige Frau, und der vermeintliche Gentleman Hatfield ein schmieriger Kartenspieler und Revolverheld, der vermutlich auch mal anderen Leuten in den Rücken schießt
  • Elemente eines Kammerspiels: in der Enge der Kutsche lernt man die einzelnen Figuren kennen

Der Gang der Prostituierten:
  • Die Prostituierte Dallas wird vom Sherrif und einer Gruppe "anständiger" Frauen ("morality society club") aus der Kleinstadt Tonto vertrieben
  • Spießrutenlauf
  • Später im Film in Lordsburg die Gegenbewegung: Ringo und Dallas gehen gemeinsam durch die Stadt

Der Pfeil:
  • Die Gefahr durch einen Indianerangriff scheint vorüber, Doc Boone spricht gerade einen Toast aus
  • Dann unerwartet Pfeil, der Mr. Peacock trifft und die folgende Indianerattacke einleitet
  • Enge in Kutsche
  • Rückprojektion

Bildkomposition:
  • Sorgfältige Arbeit mit Academy-Format
  • Ford hat dem sehr guten Kameramann Bert Glennon die Bildkomposition und Lichtsetzung überlassen
  • Starke Betonung der Vertikalen, z.B. durch Verengung der Bildkomposition durch Tür, Durchblick mit Gegenlicht
  • Starke Betonung der Horizontalen, erzeugt Gefühl von sehr breitem Bild
  • Opposition von Vertikale und Horizontale: gleichwertig eingesetzt, Gegensatz verstärkt die jeweilige Wirkung
  • Sehr steiles Licht
  • Teilweise Decken im Bild zu sehen
  • Weitwinkel: Leute im Vordergrund deutlich größer als Leute im Hintergrund, forcierte Tiefenwirkung
  • Oft sehr tiefe Platzierung der Landschaft, starkes Gewicht auf Wolken
  • Teilweise gleichzeitig sehr hohe und sehr tiefe Platzierung von Figuren: maximal mögliche Distanz der Figuren im Bild

Starauftritt:
  • Etwas wacklige Kamerafahrt/Zoom auf John Waynes Gesicht
  • Dabei zwischendurch leichte Unschärfe, sicherlich unbeabsichtigt
  • Ford hat Wayne durch mehrere Filme zum Star aufgebaut, Wayne war eigentlich ein nur mittelmäßiger Schauspieler
  • Ford hatte im Gegensatz zu z.B. D.W. Griffith kein Problem mit Schauspielern als Stars eines Films

Monument Valley:
  • Fremder, eigenartiger Look
  • Karge Gegend, nur wenige Tafelberge in der Ebene, wie eine Marslandschaft
  • Wird auch als John Ford-Country bezeichnet
  • Ford drehte insgesamt neun Filme im Monument Valley
  • Ein Felsvorsprung, der mehrmals als Kamerastandort verwendet wurde, ist nach ihm benannt (John Ford's Point)
  • Ford drehte gerne im Monument Valley, da er durch die Entfernung zu Hollywood von den Produzenten unabhängiger war, da diese den Besuch am Set und eine Übernachtung im Zelt ungern in Kauf genommen haben

Die Flussüberquerung:
  • Beispiel für ständigen Wechsel zwischen Betonung der Vertikalen und der Horizontalen

Indianerangriff/Verfolgungsjagd:
  • Rekord an Achsensprüngen
  • Der Versuch den verschiedenen Sonnenstand an einem langen Drehtag (Schattenwurf) durch ständige Wechsel der Kameraperspektive auszugleichen sorgte für andauernde Achsensprünge
  • Teilweise sehr verwirrend: wo kommen welche Indianer her, wo reiten sie hin, wohin fährt die Kutsche?