Sous les toits de Paris

(Unter den Dächern von Paris)

René Clair, 1930 (IMDb)




Der Regisseur


  • Französischer Regisseur und Schriftsteller
  • Kommt aus der Stummfilmzeit
  • Nähe zu Surrealismus und Dadaismus, jenseits von allem was damals populär war
  • Nur wenige herausragende Filme, auf denen sein Ruhm basiert
  • Spielte gerne mit Ton
  • Setzte sehr gerne bewegliche Kamera ein
  • Hat für breites Publikum gearbeitet, unterhaltsam, aber auch experimentell
  • Verlangte teilweise waghalsiges Verhalten von seinen Schauspielern, z.B. Ringen am Geländer des Eiffelturms
  • Wurde später eher ein Künstler für Künstler
  • Wurde gern zitiert von anderen Regisseuren, z.B. in Der Mieter (1976) von Roman Polanski körperlose Kamera als Hommage an Quatorze Juillet (1933, siehe auch unten), die gleiche fließende Art der Kamerabewegung als Plansequenz

Hintergrund


  • Erster Tonfilm Clairs
  • Avantgardistischer Film mit Einflüssen des amerikanischen Slapsticks

Quatorze Juillet (1933):
  • Unkonventioneller Einsatz von Filmmusik: fröhliche Musik unterbricht Einbruch (üblicherweise in einer solchen Szene dramatische Musik)
  • Das Off kann dramaturgisch mitspielen: Frau geht hin und her, Kamera schwenkt mit Frau mit, dann aber erst verzögert wieder zurück

Le Million (1931):
  • Ein Filmmusical
  • Rugby in der Oper: Opernaufführung (Großbourgeoisie) wird mit dem Einfachen (Rugby-Spiel um die Jacke, in der sich der Lottoschein befindet) in Verbindung gesetzt: Herren im Frack, Tonspur von echtem Rugby-Spiel
  • Stummfilmpersiflage: Spiel mit Elementen des Stummfilms: Szene wird von Klavierspiel begleitet, das auch tatsächlich in der Szene zu sehen ist
  • Chansoneinlagen: Clair experimentierte gern mit Liedern, Vorform von Musikvideos, live gesungen, Chanson wird immer wieder von Nebenhandlungen unterbrochen
  • Anfang: ähnlich zur Anfangsfahrt in Sous les toits de Paris, quasi nur noch verbessert: lange Fahrt über Modell von Paris, fließender Übergang zu Set (vgl. Kamerafahrten in Faust [1926] von Friedrich Wilhelm Murnau und The Crowd [1928] von King Vidor)

Merchandising zu Sous les toits de Paris:
  • Ohrwurm: Lied, das extra für den Film komponiert wurde, wurde im Film so penetrant wiederholt, dass die Zuschauer es haben wollten
  • Verkauf von Schallplatten und Noten zum Lied
  • Clair möglicherweise Erfinder von Film-Merchandising

Handlung


In René Clair's irrepressibly romantic portrait of the crowded tenements of Paris, a street singer and a gangster vie for the love of a beautiful young woman. This witty exploration of love and human foibles, told primarily through song, captures the flamboyant atmosphere of the city with sophisticated visuals and groundbreaking use of the new technology of movie sound. An international sensation upon its release, Under the Roofs of Paris is an exhilarating celebration of filmmaking and one of France's most beloved cinematic exports.
(Quelle: The Criterion Collection)

Stil


  • Extrem aufwendige Ausstattung, viele gebaute Kulissen (Häuser, etc.)
  • Verwendung komplizierter Kranfahrten
  • Unglaublicher Reichtum an Beziehungen zwischen Bild und Ton
  • Bewusster Einsatz von Stille als Stilelement
  • Relativ entspannter Umgang mit Sexualität

Doppelter Dialog:
  • Missverständnis/Missdeutung
  • Parallelmontage zweier Dialoge, die sich beide auf das gleiche Geschehnis beziehen
  • Nur beide Dialogteile vervollständigen die Geschichte

Der Kampf:
  • Kamera filmt von draußen in ein Restaurant, Ton ist zunächst stumm, erst wenn die Tür aufgeht sind Dialoge zu hören
  • Diskrepanz zwischen Bild und Ton:
  1. Zuggeräusch übertönt Kampfhandlungen, aber Ton bleibt innerhalb der Szene, man sieht den Kampf, aber man hört ihn nicht
  2. Lampe wird zerschossen, erst da hört man den Kampf wieder, aber man sieht ihn nicht mehr

Das Grammophon:
  • Scheinbar filmische Begleitmusik, dann Witz mit hängender Nadel des Grammophons
  • Mechanischer Zustand der Musik wird reflektiert

Anfangsfahrt:
  • Fahrt von außen über die Dächer zu einem Innenhof
  • Eines der ersten Beispiele der Verwendung einer langen Plansequenz als Introduktion

Die Vertikale:
  • Vertikale Kranfahrt
  • Gekonntes Vermitteln der räumlichen Höhe der Kamera
  • Schwierige Kameraeinstellung, aufwändige technische Umsetzung

Verführung:
  • Spiel mit Füßen, nur Schritte gezeigt, Erzählung mit Beinsprache, ganz in der Tradition des Stummfilms
  • Optisch sehr fein ausgearbeitet

Surrealer Witz:
  • Verfremdungen von Alltagsgegenständen
  • Fast wie eine Idee von Salvador Dalí

Ursprüngliche Anfangsszene:
  • Anfang zunächst wie ein Stummfilm, dann (für das Publikum plötzlich) erst spät einsetzender Dialog
  • Wurde rausgeschnitten um die Anfangsfahrt stärker hervorzuheben

Poetischer Realismus in der Filmarchitektur:
  • Realistische, doch bis ins poetisch-märchenhaft getriebene Filmarchitektur
  • Vorsichtige Übertreibung der Realität, fast wie etwas Märchenhaftes
  • Auf den ersten Blick sehr realistisch, aber tatsächlich "pariser" als Paris
  • Stilisierung, traumhafter Glanz
  • Es kippt aber nie ganz aus der Realität raus
  • Ausstattung: Lazare Meerson