Scarface

Howard Hawks, 1932 (IMDb)




Der Regisseur


  • 1896 in Goshen, Indiana geboren, 1977 in Palm Springs, Kalifornien gestorben
  • Gilt als grandioser Geschichtenerzähler, der die US-Filmgeschichte maßgeblich prägte
  • Arbeitete während seiner langen Karriere in nahezu allen Genres
  • Schrieb oft an Drehbüchern seiner Filme mit
  • Erfand den Archetypus der Hawkschen Frau
  • Erhielt 1975 einen Ehrenoscar (Lifetime Achievement Award)

Hintergrund


  • Basiert in freier Bearbeitung auf der Lebensgeschichte von Al Capone
  • Propaganda-Anteile im Film: Ansprache auf Texttafeln am Anfang des Films, die Regierung müsse mehr gegen das organisierte Kriminalität tun
  • Drehbuch von Ben Hecht, der vor seiner Karriere als Drehbuchautor als Journalist in Chicago tätig war
  • Produziert von Howard Hughes
  • Remake 1983 durch Brian De Palma mit Al Pacino in der Hauptrolle

Scarface im Vergleich zu Le Crime de Monsieur Lange (1935):
  • Andere Art der Fokussierung, andere Art von Stil
  • Hoher technischer Aufwand, hohe technische Qualität des Teams
  • Deutlich höherer Production Value
  • Protagonist ist rücksichtslos, geht über Leichen
  • Doppelmoral des Protagonisten: Umgang mit Schwester im Vergleich zu Umgang mit Menschenleben
  • Fast kindliche Freude am Verbrechen, lausbübisch, fast kumpelhafte Beziehung des Zuschauers zum Protagonisten

Handlung


Der Gangster Tony "Scarface" Camonte arbeitet im Chicago der 1920er Jahre als Bodyguard und Auftragsmörder für den Mafiaboss Louis Costillo, dessen Organisation um die Vorherrschaft bei der Verteilung von Alkohol und Drogen während der Prohibition kämpft. Als Tony seinen Boss für den Konkurrenten Johnny Lovo verrät und erschießt, löst er damit einen blutigen Bandenkrieg aus.

Zusammen mit seinem Partner Guino Rinaldo plant Scarface währenddessen aber die Übernahme von Lovos Organisation. Durch den Mord an seinem früheren Boss hat er sich dort bereits Respekt verschafft. Zudem verliebt er sich in Lovos Geliebte, die verwöhnte Poppy.

Zuhause muss Scarface die Verachtung seiner Mutter ertragen, die das Geld, das er nach Hause bringt, ablehnt, da es „schlechtes Geld“ sei. Seine Schwester Cesca, mit der er ein beinahe leidenschaftliches Verhältnis hat, vergöttert ihn hingegen und hofft auf ein besseres Leben durch seinen kommenden Reichtum als Gangsterboss.

Um sich in Lovos Bande weitere Anerkennung zu verschaffen, erledigt Scarface die Drecksarbeit für ihn – er erpresst Wirte, damit sie von Lovo Alkohol beziehen, und tötet Lovos Gegner. Dabei dringt er auf eigene Faust immer wieder in das Territorium von Lovos größtem Gegner, dem Gangsterboss O'Hara, ein. Dies verärgert Lovo, da dieser keinen Krieg mit O'Haras Organisation riskieren will. Scarface ignoriert dies aber und lässt O'Hara von seinem Partner Guino töten. Damit zieht er Lovo in einen Krieg mit dem Rest von O'Haras Organisation, die unter der Führung von Scarface letztlich vernichtet wird.

Um den damit steigenden Einfluss von Scarface in seiner Organisation zu beenden, lässt Lovo daraufhin ein Attentat auf ihn verüben. Als dieses scheitert, stellt Scarface seinen Boss und tötet ihn.

Währenddessen verliebt sich Guino in Cesca und trifft sich heimlich mit ihr. Als Scarface durch Zufall von diesem Verhältnis erfährt, erschiesst er Guino.

Von Schuldgefühlen geplagt wird Scarface nun von der Polizei gejagt. Mit seiner Schwester flüchtet er in ein Wohnhaus, das nun von der Polizei belagert und beschossen wird. Als seine Schwester tödlich getroffen wird, verlässt er nicht das Haus und kämpft, bis er daraufhin von der Polizei erschossen wird. Als alternatives Ende wird er nur verhaftet und später erhängt.
(Quelle: Wikipedia)

Stil


Symbolik im Film:
  1. Von Scarface gepfiffene Todesmelodie
  2. Kreuze (siehe Aus-x-en)
  3. Münzspiel von Guino
  • Ständige Variation der Zeichen

Gewalt:
  • Gewaltorgie gegen Menschen und Gegenstände (Autos, Gebäude)
  • Für damalige Zeit unglaubliche Brutalität

Tod beim Bowling:
  • Spannungsaufbau durch aufmarschierende Gangster, die alle Ausgänge versperren
  • Boss spielt scheinbar ungerührt weiter, wird beim Werfen erschossen
  • Überblendung von Boss beim letzten Wurf zu rollender Kugel, einzelner Pin bleibt lange stehen, kippt dann aber doch

Aus-X-en:
  • Mehr oder weniger versteckte Kreuze im Bildhintergrund als Symbol für gestorbene Figuren, wie abgehakt
  • Z.B. Kreuze durch Licht und Schatten, Kreuze als Element in Requisite

Komik & Gewalt:
  • Restaurant wird aus fahrenden Autos beschossen, Sekretär versucht dabei zu telefonieren
  • Genremix aus Slapstick und brutaler Gewalt, ohne dass sich beide (zer-)stören

Plansequenz des Anfangs:
  • Hawks als ein früher Regisseur der das amerikanische Prinzip der Plansequenz als Introduktion verwendet
  • Sehr lange Sequenz mit Kamerafahrten
  • Räumliche Verhältnisse, die perspektivisch eigentlich gar nicht funktionieren können
  • Möglicherweise Veränderungen des Sets während der Kamerafahrten

Ein Ende für den Zensor:
  • Später nachgedrehtes alternatives Ende: Scarface wird von der Polizei abgeführt, Richter spricht Urteil, Scarface wird gehängt
  • Subjektiven, als ob der Zuschauer für seine Empathie/Sympathie gegenüber Scarface bestraft wird
  • Hauptdarsteller Paul Muni ist nicht zu sehen, vermutlich weil er nicht mehr für die Produktion zur Verfügung stand

The American Bad Guys:
  • Thema meist Karriere von Verbrechern, die sich an die Spitze einer Organisation setzen
  • Oft Sympathieträger, die einen eigentlich abstoßen müssten, besitzen Anziehungskraft, die nicht da sein dürfte
  • Oft skrupellose Gangster, die im Angesicht ihrer Hinrichtung die Nerven verlieren und weich werden/zusammenbrechen

Lichtgestaltung:
  • Ganz besonders gut gelungen, sehr ungewöhnlich für Hawks
  • Kameramann Lee Garmes, der zuvor für Shanghai Express (1932) den Oscar für die beste Kamera gewonnen hatte
  • Vom Licht her unruhiges Bild, sehr fleckiges Licht
  • Sehr Low Key, überstrahlendes Weiß, tiefes Schwarz
  • Gesichter im Schatten, nur beleuchtet von Lichtkanten

Shanghai Express (1932):
  • Regie: Josef von Sternberg
  • Oscar für beste Kamera: Lee Garmes
  • Licht fast dominanter als Figuren
  • Brilliante Form von Lichtsetzung, sieht man oft bei Filmen von Sternbergs

His Girl Friday (1940):
  • Tempo, fließende Kamerabewegungen, Fahrten
  • Merkwürdige Mischung aus Komödie und Drama
  • Screwball-Comedy: sehr schnelle Aktionen, Wortwitz, sehr schnelles Sprechen, Durcheinanderreden

Red River (1948):
  • "ein Beispiel warum Hawks eigentlich kein guter Regisseur ist" - Zitat Fred v. d. K.
  • Second Unit drehte Vieherde (Stampede) als Rückpro für Stars, schlecht umgesetzt