Salesman

Albert und David Maysles, Charlotte Zwerin, 1968 (IMDb)




Die Regisseure


  • Vertreter des Direct Cinema (siehe unten)
  • Die Maysles-Brüder kamen ursprünglich aus Irland
  • Kultfilm: Grey Gardens (1975)
  • Charlotte Zwerin arbeitete mit den Maysles-Brüdern zusammen an mehreren Filmen

Direct Cinema:
  • Form des Dokumentarfilms: keine Schauspieler, echte Personen, echte Orte, echte Situationen
  • Beispiel: Parallelmontage eines echten Telefongesprächs in Crisis: Behind a Presidential Commitment (1963) von Robert Drew
  • Starke Verwandschaft zum französischen Cinéma vérité
  • Abgrenzung: Direct Cinema: reine Beobachtung, Kamera und Filmemacher möglichst im Hintergrund, Offenbarung der Wahrheit, wenn die Personen die Kamera vergessen; Cinéma vérité: direkte Interaktion zwischen Filmemachern und Gefilmten, Provozieren von Reaktionen, aktives Entdecken/Aufdecken der Wahrheit
  • Sollte einen gewissen Überraschungseffekt beinhalten, Staunen bei den Zuschauern hervorrufen können, Leute zeigen, die eine gewisse Extravaganz verkörpern
  • Bei den Dreharbeiten am "Set": die Wirklichkeit wird möglichst unbeeinflusst aufgenommen
  • In der Postproduktion am Schneidetisch: Manipulation der Wirklichkeit, Ausspielen der Macht des Mediums Film, Steuerung/Steigerung von Emotionen, Strukurierung des Rohmaterials, Herstellen einer gewissen Erzählung
  • Das Spontane des Drehs, das Manipulative der Montage/des Schnitts
  • Manipulation muss aber nicht Verfälschung der Aussage sein, kann sehr subtil sein
  • Technische Weiterentwicklung des Equipments war wesentlich für die Entstehung des DC: kleinere Kameras mit größeren Magazinen, sehr mobile Tontechnik, Synchronisierung von Kamera- und Tontechnik über Taktgeber
  • Schnelles, leichtes Aufnehmen von Situationen ohne zusätzliches Licht, Handkamera auf Schulter, keine große Planung, keine perfekte Bildkomposition, technische Unvollständigkeit, Fehler, Mängel
  • Plansequenzen ergeben sich automatisch
  • Gezeigte Personen vergessen (im Optimalfall) das Medium Film
  • Filmemacher müssen Respekt vor den Menschen, die sie zeigen, wahren
  • Nicht voraussehbare Situationen erfordern Spontanität beim Dreh und Intuition der Filmemacher (vgl. Jazz: keine Noten, große Intuition erforderlich)
  • Die Suche nach dem "magischen Moment"
  • Meist enormes Drehverhältnis, z.B. bei Salesman für 85 Minuten Film etwa 100 Stunden Material, d.h. Drehverhältnis etwa 1:70

Harlan County U.S.A. (1976):
  • Regie: Barbara Kopple
  • Der partizipierende Beobachter: in das Geschehen eingreifen, Teil des Geschehens werden
  • Kein objektiver Film: Kopple steht auf Seite der Streikenden, wird Teil der Streikenden

Hintergrund


  • Direct Cinema-Dokumentarfilm
  • Der Film folgt einer losen Gruppe von vier Bibelverkäufern bei ihrer Arbeit an der Ostküste der U.S.A.
  • 100 Stunden Material: Verkaufsgespräche, Treffen der Bibelverkäufer, alltägliche Routine, Leben in Hotels, Autofahrten, dabei Suche nach Adressen möglicher Kunden
  • Kern des amerikanischen Traums: jeder ist seines eigenen Glückes Schmied, Modell des erfolgreichen Selfmademan
  • Paul Brennan, die Hauptperson in Salesman, suchte einige Zeit nach dem Film sein Glück als Schauspieler in mehreren Spielfilmen
  • Salesman war Inspiration für Paper Moon (1973) von Peter Bogdanovich

Handlung


A landmark American documentary, Salesman captures in vivid detail the bygone era of the door-to-door salesman. While laboring to sell a gold-embossed version of the the Good Book, Paul Brennan and his [three] colleagues target the beleagured masses—then face the demands of quotas and the frustrations of life on the road. Following Brennan on his daily rounds, the Maysles discover a real-life Willy Loman, walking the line from hype to despair.

[...] Paul "The Badger" Brennan, Charles "The Gipper" McDevitt, James "The Rabbit" Baker, and Raymond "The Bull Martos", are so nicknamed for their particular selling styles -- on their rounds. First making calls in and around Boston, where the company is based, then in Chicago at a sales conference, and finally in the promising new "territory" of Miami and vicinity. Their mission is simple: to convince people to buy what one of them calls "still the best seller in the world."

But although their customers are mostly middle, working-class Catholics recommended by the local church, the Bible is a hard sell. In action, the salesmen rely on trusty catch phrases: "Could you say if this would help the family? Could you see where this would be of value in the home? A gain to you?" Talking, pushing, cajoling, telling jokes and stories, throwing out compliments, the salesmen make their "pitches" to a wide range of customers -- lonely widows, married couples, Cuban immigrants, bored housewives -- from those who clearly cannot afford the $50 book to those who, in the end, are convinced by the salesman's somewhat too-cheerful patter.

(Quelle: Offizielle Website zum Film)

Stil


  • Paul Brennon als Identifikationsfigur und Hauptperson, die durch den Film führt, ist im Vergleich zu seinen Kollegen ziemlich erfolglos, aber (vielleicht dadurch) am interessantesten
  • Sozialer Zusammenhalt zwischen Bibelverkäufern ist keine Freundschaft
  • Bibelverkäufer als einsame Wölfe, auf sich selbst gestellt
  • Kontrast zwischen einem "Leben in Freiheit" und einem "9-to-5 job"
  • Das Geschäft mit der Religion verleiht dem Film eine "pikante Würze"
  • Zwang zum Erfolg
  • Sagt viel über die amerikanische Gesellschaft aus
  • Verzicht auf Off-Kommentare, der Film erklärt sich selbst
  • Anleihen beim Spielfilm: Ellipsen, Rückblenden
  • Szene The Bible business: Die Organisation hinter den Bibelverkäufern wird gezeigt
  • Szene Das Schweigen: beklemmende, traurige, leere Stimmung; die Kamera wird überhaupt nicht wahrgenommen

Verkaufsgespräche:
  • Extrem leichte Kontaktaufnahme, aber nur oberflächliche Kontakte
  • Spielfilm-ähnliche Situationen: man lernt immer wieder neue Leute kennen
  • Verkäufer als eine Art von Schauspieler: Floskeln, fester Verkaufstext, gespielte Freundlichkeit
  • Irischer Akzent in den USA immer mit Komik verbunden, bei Verkaufsgesprächen und im Hotelzimmer oft Parodien auf Iren
  • Gezeigte mögliche Käufer sind meist ziemlich arme Leute, Verkauf oft von vornherein zum Scheitern verurteilt
  • Bibelverkäufer leben das Prinzip Hoffnung, ihr Dasein im Film ist aber eigentlich geprägt von Trostlosigkeit

Struktur des Films:
  • Immergleiche Situation des Bibelverkaufs an der Haustür/im Haus
  • Routine ergibt viele traurige, schöne, witzige Situationen
  • Problem für Montage: welche Struktur für den Film?
  • Es ist eine Kunst, den Szenen eine Form zu geben
  • Struktur des Films: erster Teil: Komödie, zweiter Teil: Tragödie
  • Tragik der Hauptfigur: Paul Brenner wird im Laufe des Films immer erfolgloser, hat eigentlich als Bibelverkäufer keine Zukunft

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