Padre padrone

(Mein Vater, mein Herr)

Paolo & Vittorio Taviani, 1977 (IMDb)




Die Regisseure


  • International nicht so bekannt
  • Sehr ausgeprägter eigener Stil
  • Musik hat für sie sehr große Bedeutung: Musik als Protagonist, dramaturgische Rolle statt einfach nur Begleitung
  • Ähnlichkeit zu Bertolucci: arbeiten heute noch, sind aber nicht mehr bedeutend, haben ihren Höhepunkt überschritten, aktuelle Werke recht uninteressant, früher enorme Qualität, eigener Stil, heute keine eigene Handschrift mehr erkennbar, konventionell

La notte di San Lorenzo (1982):
  • Kriegsdrama mit traumartigen, surrealen Elementen, Spiel mit Dokumentation und Fantasie
  • Teilweise eine Art Roadmovie, wo man die Geschichten der einzelnen Figuren durch Rückblicke erfährt
  • Kurzinhalt: Ausklang des Zweiten Weltkriegs, eine Gruppe italienischer Dorfbewohner auf der Flucht vor den Faschisten (deutsche Besatzer und italienische faschistische Miliz, Schwarzhemden), Amerikaner als Rettung/Befreier, kleinster Hinweis auf Nähe von Amerikanern löst Hysterie aus
  • Parabelhafte Verdichtung der Hoffnung
  • Oft einfache Bilder, aber so zugespitzt, dass sie aus der Realität herausfallen
  • Szene Tod der Sizilianerin: Typisch für den Film: Blick im Sterben erweist sich als Märchen/Traumeinlage, dabei Wechsel der Realitätsebenen über Unschärfe, eigentlich klassisch; Todesprojektion: Brooklyn als das Paradies
  • Teilweise opernhafte(*), theatralische Qualität
  • Schneller Wandel der Stimmung
  • Wenige Bilder, aber hohe dramaturgische Bedeutung, unmittelbar emotionale Wirkung
  • Szene Requiem: Kirche als Oase des Friedens wird zu tödlicher Falle

(*) In Italien große Operntradition, Oper wie Volkssport, nicht so wie in Deutschland, wo die Oper eher elitären Charakter hat

Hintergrund


  • Sehr geringe finanzielle Mittel
  • Autobiographische Romanvorlage von Gavino Ledda war in Italien ein Bestseller
  • Wie Bernardo Bertoluccis Il conformista (1970) ein politischer/sozialkritischer Film
  • Weitere Ähnlichkeit: originelle Lösungen für dramaturgische Probleme
  • War ein großer Publikumserfolg
  • Gewann 1977 bei den Filmfestspiele von Cannes die Goldene Palme

Handlung


Gavino, der Sohn einer armen sardischen Familie, wird von seinem gewalttätigen Vater im Alter von sechs Jahren gezwungen, die Schule zu verlassen und die Schafe zu hüten. In weitestgehender Abgeschiedenheit verbringt er auf diese Weise in den unwirtlichen Bergen Sardiniens seine Jugend. Erst mit zwanzig Jahren beginnt der Ausbruch aus Isolation und Knechtschaft. Beim Militär lernt er Lesen und Schreiben und entwickelt eine Begeisterung für das literarische Schreiben. Die anschließende Aufnahme eines literaturwissenschaftlichen Studiums ist nur gegen den massiven Widerstand des Vaters möglich, von dem sich Gavino jedoch mehr und mehr befreien kann. Nach der Promotion kehrt er in das Dorf seiner Eltern zurück. Dort hat sich nichts geändert.

(Quelle: Artikel der deutschen Wikipedia)

Stil


  • Dokumentarische Qualität, Nähe zum Neorealismus, aber auch eigene Stilisierung
  • Erzählung mit einer gewissen Distanz (Einfluss von Berthold Brecht): Vermeidung von emotionalisierender Musik, Einsatz von Totale und Halbtotale auch bei hochemotionalen Szenen
  • Typisch Brecht'sches Kino: emotional unterkühlt, gewisse Scheu vor Emotionen
  • Hierarchisches System der Unterdrückung: Gutsherren sind zugleich Väter
  • Trostloser Alltag, deprimierende Situation, vollkommene Vereinsamung, fast tierische Existenz des Hirten in den Bergen; Menschwerdung im Laufe des Films
  • Häufige Verwendung von bestehender Orchestermusik, Konservenmusik
  • Viele volkstümliche Elemente
  • Szene Hören statt Sehen: Klangempfinden in den Bergen extrem wichtig: "Die Augen am Tage, die Ohren in der Nacht"
  • Teilweise Diskrepanz zwischen Bild und Ton
  • Szene Das Akkordeon: Erster Kontakt mit Kultur: Begegnung mit Akkordeonspielern, dabei wird der Hirte durch die Musik stark emotional berührt, geradezu erschüttert, vielleicht auch wachgerüttelt
  • Szene Der Frost: nach einem extremen Schicksalsschlag/einer Katastrophe (blühende Olivenbäume sterben durch späten Kälteeinbruch) ein Moment des Glücks (gefrorene Milch als Eiskrem)
  • Szene Prozession: Dialog: religiöse Sehnsucht und wirtschaftliche Sehnsucht werden gleichgestellt; Ton: Archaische Klänge der sardischen Volksmusik (religiöser Gesang der Väter) im Kontrast mit deutschsprachigem Trinklied der Söhne; in Totale: sardischer Gesang im gleichen Rhythmus wie Trinklied; von den Söhnen getragene Heiligenfigur ist in einer Einstellung durch Bild des Vaters des Protagonisten ausgetauscht
  • Lustige Szene: Lateinunterricht von Panzer zu Panzer