Ossessione

(Besessenheit)

Luchino Visconti, 1943 (IMDb)




Der Regisseur


  • Zählt zur ersten Generation italienischer Filmemacher
  • Stammte aus sehr wohlhabender aristokratischer Familie aus Mailand
  • Begann seine Filmkarriere als Assistent von Jean Renoir
  • Begründete mit Ossessione die Stilrichtung des italienischen Neorealismus
  • War auch ein gefeierter Theater- und Opernregisseur
  • War bekennend homosexuell, was sich auch in seinen Filmen ausdrückte
  • Forderte ein am Menschen und der Realität interessiertes Kino

Hintergrund


  • Erster Film Viscontis
  • Basiert auf dem amerikanischen Kriminalroman The Postman Always Rings Twice von James M. Cain
  • Menschen aus der Unterschicht statt glamouröse Helden als Hauptpersonen des Films
  • Wurde im faschistischen Italien von der Zensur verboten

Handlung


Der arbeitslose Vagabund Gino lernt die frustrierte Giovanna, jüngere Frau eines älteren, dicklichen Wirts kennen. Die beiden verlieben sich leidenschaftlich ineinander und beginnen eine Affäre. Von ihren Frustrationen, Begierden und Sehnsüchten getrieben töten sie Giovannas Mann in einem vermeintlichen Autounfall, und führen die Gaststätte zusammen weiter. Gino bekommt allerdings Zweifel, und überlegt weiterzuziehen. Als Giovanna ihm eine Schwangerschaft offenbart beschließt er doch bei ihr zu bleiben. Schuldgefühle wegen des Mordes, Ermittlungen der Polizei, die Lebensversicherung des getöteten Wirts, ein Seitensprung Ginos und die Eifersucht Giovannas sorgen für weitere Verwicklungen, ehe Giovanna in einem echten Autounfall stirbt. Gino wird daraufhin von der Polizei festgenommen.

Stil


  • Realistische Darstellungen des Alltags
  • Nähe zum Film noir
  • Bildgestaltung: Es sind immer alle beteiligten Hauptpersonen einer Szene im Bild zu sehen (Duett, bzw. Terzett), was ein starkes Raumgefühl erzeugt
  • Kamera simuliert gegenseitigen Blick des Begehrens bei der ersten Begegnung von Gino und Giovanna (Szene Zwei Eintritte in die Taverne)
  • Kamerafahrt von innen nach außen ohne Schnitt (Szene Die Untreue)
  • Szenen mit vielen Statisten; möglich weil damals sehr günstig
  • Viele kleine realistische Nebenerzählungen, z.B. magere Hunde, hängendes Kreuz im LKW
  • Darstellung der Giovanna als Femme fatale
  • Mord am Wirt wird nicht gezeigt, sondern spielt sich im Kopf des Zuschauers ab