Mouchette

Robert Bresson, 1967 (IMDb)




Der Regisseur


  • Wandte sich zunächst der Malerei und Fotografie zu
  • Hat in seiner 50-jährigen Filmkarriere nur 13 Spielfilme gemacht
  • Hat immer versucht, die Essenz einer Geschichte herauszuarbeiten
  • Wollte nicht einfach nur gefilmtes Theater zeigen, sondern eine neue Sprache der bewegten Bilder und des Tons erschaffen
  • War nicht Teil der Nouvelle Vague
  • Vermittelte in seinen Filmen trotz Ellipsen ein Gefühl von Realzeit und damit Realität
  • Beklagte in Interviews eine "Kultur der Unaufmerksamkeit"
  • War sehr öffentlichkeitsscheu, zurückhaltend
  • Arbeitete seit 1945 nur noch mit Laiendarstellern, nicht mit professionellen Schauspielern, keine Stars
  • Hielt sich in seinen Filmen nicht an gegebene Moral, Gegebenes wird in Frage gestellt (z.B. wird die Bestrafung für das Handeln des Taschendiebs in Pickpocket (1959) fast gar nicht thematisiert, es gibt keine moralische Instanz)
  • War ein sehr gläubiger Mensch, häufige Themen: Erlösung, Erforschen der menschlichen Seele
  • Ansatz: Idee ist lebendig, Aufschreiben tötet sie, Schauspieler beleben, Kameraaufzeichnung tötet, Schnitt wiederbelebt sie
  • Seine Geschichten sind in ihrem Sinn oft schwer verständlich, schwer zugänglich

Bressons Darsteller:
  • Unbetontes, unmoduliertes Sprechen
  • Reduziertes Spiel
  • Aber genaues Ausführen der Handlung
  • Schauspieler fast wie Marionetten

Bressons Stil:
  • Spiritueller, asketischer Stil
  • Wenig Dialog, viel Handlung, enorme Präzision
  • Zeigt gerne Menschen bei der "Arbeit", z.B. Taschendieb in Pickpocket, Gefängnisausbruch in Un condamné à mort s'est échappé (1956): Arbeitsprozesse werden präzise vorgeführt
  • Flaches, geplättetes, nicht natürliches Bild (z.B. unterdrückte Mimik der Darsteller, Gesichter im Off), aber echter, naturalistischer Ton
  • Sagt, das Geheimnis des Films sei die chemische Reaktion zwischen zwei Bildern
  • Besondere filmische Wirkung durch „leere“, karge Bilder
  • Film/Kino: meist wenig Vorstellungskraft nötig; im Gegensatz zu Roman/Buch oder Theater
  • Bei Bresson: Vorstellungskraft der Zuschauer wird angesprochen, da z.B. Handlungen nicht zu sehen sind/im Off erfolgen (z.B. die Ermordung der Wache in Un condamné à mort s'est échappé)
  • Fordert hohe Aufmerksamkeit des Zuschauers
  • Einbinden des Zuschauers als aktive, produktive Kraft
  • Der Ton regt die Vorstellungskraft der Zuschauer am intensivsten an
  • Arbeitet sehr genau mit Ton, z.B. wenige, aber sehr ausgeprägte Geräusche
  • Es werden immer nur minimale Informationen/Hinweise gegeben
  • Alltägliches wirkt bei Bresson oft geheimnisvoll
  • Zeigt oft sehr minutiös sinnlose Taten der Figuren
  • Personen werden eher vorgeführt, als dass man mit ihnen fühlt (Empathie)
  • Bresson erzeugt Mehrdeutigkeiten durch reduziertes Spiel der Laiendarsteller, Andeutungen und offen lassen: Fragen werden nicht aufgeklärt, Dinge werden nicht gezeigt, Handlungen der Figuren bleiben rätselhaft
  • Fragmentarisierung durch Montage, z.B. Selbstmord-Szene in Une femme douce (1969)
  • Einschätzung einer Szene wird Zuschauern überlassen

Hintergrund


  • Entstanden nach der Erzählung Nouvelle Histoire de Mouchette (1937) von Georges Bernanos
  • Mouchette (frz.) bedeutet "kleine Fliege"
  • Zitat Bresson: "Mouchette offers evidence of misery and cruelty. She is found everywhere: wars, concentration camps, tortures, assassinations."

Handlung


Die Geschichte des tragischen, trostlosen Lebens und der seelische Vereinsamung eines 14-jährigen Mädchens, das in einem isolierten Dorf in der Provinz aufwächst. Von ihren Eltern - der Vater Alkoholiker, die Mutter sterbenskrank und bettlägerig - wird Mouchette vernachlässigt, von ihren Schulkameraden ausgelacht, von ihren Lehrern geschlagen. Zuhause muss sie sich um ihren kleinen Bruder kümmern und sämtliche Hausarbeit verrichten. Als sie sich in einem Unwetter im Wald verirrt, von einem betrunkenen Wilderer missbraucht wird, und auch noch ihre Mutter stirbt, sieht sie nur noch einen Ausweg. Sie rollt sich einen Hügel hinab, um im Wasser eines Sees zu ertrinken.

Stil


siehe oben: Bressons Stil

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