M – Eine Stadt sucht einen Mörder

Fritz Lang, 1931 (IMDb)




Der Regisseur


  • War Sohn eines Architekten, hat Architektur und Malerei studiert, hatte eigenes Haus im Bauhausstil
  • Durchbruch mit Dr. Mabuse, der Spieler (1922)
  • Sein Schaffen war voller Stilwechsel, angepasst an Zeitgeist, trotzdem Kontinuität in bestimmten Details/Einstellungen
  • War beeinflusst durch zeitgenössische Filme und Filmemacher
  • Seine Filme erzählen zumeist utopische und fantastische Geschichten, die in einer expressiv düsteren Atmosphäre inszeniert werden
  • Hat den filmischen Raum immer sehr gut genutzt/erfasst, Geometrisierung
  • Sein Bildaufbau war inspiriert von Caspar David Friedrich
  • Hatte am Set diktatorische Züge
  • Hat angeblich von Goebbels die Leitung des Deutschen Films angeboten bekommen
  • War mit Thea von Harbou verheiratet, die bis 1933 für viele seiner Filme die Drehbücher schrieb; Harbou wurde später Mitglied der NSDAP, unterstützte nationalsozialistisches Gedankengut (mittelalterlich, rückständig, Blut-und-Boden-Ideologie), was sich teilweise auf die Drehbücher auswirkte
  • Floh 1933 vor den Nationalsozialisten nach Frankreich, und später in die USA
  • Ist in Amerika aktiver Antifaschist geworden
  • War in Hollywood dem Studiosystem untergeordnet, abhängig, was Auswirkungen auf seinen Stil hatte

Langs Aufwand:
  • Lang stand für ein Kino der Attraktionen, Spektakel, Ausstattungsorgien; hat aber auch weniger aufwändige Filme gemacht
  • Aufwand war wichtig, um international bestehen zu können
  • Produktionsfirma UFA hat Aufwand damals gebilligt, um internationalen Markt erobern zu können
  • Aufwand als Verkaufsargument

Hintergrund


  • Zählt zu den bedeutendsten Werken des deutschen Films
  • Treffendes Abbild der vom erstarkenden Nationalsozialismus in Frage gestellten Weimarer Republik
  • Erster Tonfilm Langs
  • Spielt in der Gegenwart
  • Handelt von einem triebhaften Kindermörder (Peter Lorre), der von krimineller Unterwelt und Polizei gleichsam, wenn auch aus unterschiedlichsten Gründen, gejagt wird; quasi zwei Untersuchungsteams
  • Reale Fälle von Serienmördern dienten als Vorlage

Metropolis (1927):
  • Einer der bekanntesten Science-Fiction-Filme der Filmgeschichte
  • Einer der visuell einflussreichsten Stummfilme
  • Behandelt Probleme der Gegenwart: enorme Arbeitslosigkeit, Konflikt zwischen Kapitalisten und Arbeitern
  • Merkwürdige Mischung aus Zukunft und Gothik

Das Testament des Dr. Mabuse (1933):
  • Ohne weiteres als kritische Anspielung auf die Nationalsozialisten zu verstehen
  • Parolen und Glaubenssätze des heraufziehenden Dritten Reichs wurden den Verbrechern in den Mund gelegt
  • Dr. Mabuse als Spiegelbild Adolf Hitlers
  • Wurde von den Nationalsozialisten verboten

Fury (1936):
  • Singende schwarze Frau symbolisiert Gefühle der Hauptfigur

Handlung


Ein unbekannter Kindermörder versetzt die Bewohner Berlins in Schrecken und Hysterie, so dass Polizei und Unterwelt seine Verfolgung aufnehmen. Er hat bereits mehrere Kinder umgebracht, auf Fahndungsplakaten ist eine Belohnung ausgesetzt.

Eine Mutter in einer Arbeiterwohnsiedlung wartet ungeduldig auf die Rückkehr ihrer Tochter aus der Schule, die sich aber von einem nicht gezeigten Unbekannten mittels Süßigkeiten verschleppen lässt. Als man die Leiche findet, intensiviert die Polizei ihre Anstrengungen, ohne eine vielversprechende Spur zu finden. Die polizeilichen Aktionen vermindern die Nervosität der Bevölkerung nicht, zumal sie wirkungslos bleiben. Die Bürger steigern sich in gegenseitige Verdächtigungen und anonyme Anzeigen, was die Anspannung und Übermüdung der Polizeibeamten weiter verschlimmert.

Die ständigen Razzien und Kontrollen behindern aber die kriminellen Banden bei ihrem „Geschäft“. Daher beschließen sie unter Führung des Schränkers, selbst nach dem Mörder zu suchen, und spannen dafür auch das Netz der Bettler ein. Der Mörder wird von einem blinden Ballonverkäufer erkannt, auf dessen Hinweis hin von einem "Kollegen" mit einem „M“ auf dem Mantel markiert und flüchtet in ein Bürogebäude, das die Kriminellen umstellen. Unter Einsatz von Einbruchswerkzeug durchsuchen sie das Haus und bringen den gefangenen Kindermörder in eine stillgelegte Fabrik. Dort ist die gesamte Halb- und Unterwelt versammelt und macht ihm einen makabren Prozess. Dabei drückt er verzweifelt seine Selbstentfremdung und innere Spaltung aus:
„Immer muss ich durch Straßen gehen, und immer spür ich, es ist einer hinter mir her. Das bin ich selber! (…) Manchmal ist mir, als ob ich selbst hinter mir herliefe! Ich will davon, vor mir selber davonlaufen, aber ich kann nicht! Kann mir nicht entkommen! (…) Wenn ich's tue, dann weiß ich von nichts mehr… Dann stehe ich vor einem Plakat und lese, was ich getan habe, und lese. Das habe ich getan?“

Kriminalkommissar Lohmann erreicht den Ort in letzter Minute und verhindert, dass das Tribunal den Mörder lyncht. Allerdings wird er dann von einem Gericht für schuldig befunden und zum Tode verurteilt, die Vollstreckung selbst wird aber nicht gezeigt. In der im Jahre 2002 überarbeiteten Fassung ist das Urteil nicht zu sehen. Der Film endet mit einer Einstellung der Mutter vom Anfang des Films, die sagt, dies bringe ihr ihre Tochter auch nicht zurück und man müsse einfach besser auf die Kinder aufpassen.
(Quelle: Wikipedia)

Stil


  • Fast dokumentarisch, präzise beobachtend
  • Dokumentation der Forschungsarbeit der Polizei wird sehr stark ausgebreitet

Peer Gynt:

Tonfilm:
  • Lang schöpft die Möglichkeiten des Tonfilms voll aus
  • Ton traditionell meist zur Verstärkung von Emotionen und Spannung eingesetzt
  • In M keine Filmmusik, sondern immer Musik die aus der Szene selbst kommt, Musik als natürlicher Teil der Szene
  • Ton/Dialog über Schnitt hinweg: Ortswechsel im Ton vor dem Bild
  • "Subjektiver Ton": die falsch klingende Drehorgel wird durch einen schönen Klang übertönt, als der Bettler sich die Ohren zuhält; er hört die schöne Musik im Kopf
  • Eine Person liest einen Bericht, wir sehen das Geschehene, der Sprecher kommentiert ab hier nur noch das Bild

Peter Lorre:
  • War bereits ein bekannter Theaterdarsteller, aber noch nicht beim Film etabliert
  • Spiel in M stark vom expressionistischem Kino beeinflusst
  • Ironie: eigentlich abstoßender Kindsmörder, aber trotzdem Empathie gegenüber der Figur

Symbolik:
  • Symbolik zum Auslagern/Darstellen der inneren Gedanken und Gefühle
  • Z.B. Schaufenster als Fenster in die Seele des Mörders
  • Im Schaufenster spiegeln sich Messer oder drehende Kreise, dahinter steht ein Mädchen, von diesen Messern eingerahmt

Polizei = Ganoven:
  • Grenzen zwischen Polizei und Ganoven sind fließend
  • Ironie: Ganovenarbeit und Polizeiarbeit wie spiegelbildlich

Format:
  • Frühes Tonfilmformat, fast quadratisch
  • Horizontale und Vertikale gleichermaßen betont