Le Plaisir

(Pläsier)

Max Ophüls, 1952 (IMDb)




Der Regisseur


  • Bedeutender deutsch-französischer Film-, Theater- und Hörspielregisseur
  • Hieß eigentlich Max Oppenheimer, Künstlername Max Ophüls ab 1920
  • 1902 in Saarbrücken als Sohn jüdischer Kaufleute geboren, mit der Familie 1935 nach Paris ausgewandert, seit 1938 französischer Staatsbürger, 1942 in die USA geflohen, 1949 nach Paris zurückgekehrt, 1957 in Hamburg gestorben
  • Begann seine Karriere als Theaterschauspieler
  • Durchbruch als Filmregisseur mit Liebelei (1933)
  • War bekannt für opulente Sets und eine ausgefeilte Kameraarbeit
  • Hat in Deutschland, Frankreich, Italien, Holland und den USA gedreht
  • Filme spielen i. d. R. um die Jahrhundertwende (19./20. Jh.)
  • In den 20er und 30er Jahren herrschte in Frankreich produktionstechnisches Chaos und Anarchie (im Gegensatz zu Deutschland). Ophüls mochte diese Art zu produzieren (größere Freiheiten, größere Rücksichtslosigkeit). In dieser Zeit war es nicht unüblich, dass Produzenten ihre Filme mit Drogengeld finanzierten und das verdiente Geld im Casino wieder verzockten.
  • Weitere bedeutende Werke neben Le Plaisir waren Letter from an Unknown Woman (1948), La Ronde (1950), Madame de... (1953) und Lola Montès (1955)

Hintergrund


  • Episodenfilm mit drei Geschichten über den Genuss und seine Vergänglichkeit
  • Grundlage: drei Novellen von Guy de Maupassant
  • Oscar-Nominierung für das beste Szenenbild

Handlung


Episode I - Le Masque: Der Abend ist angebrochen und im Tanzpalast ist der Teufel los. Ein alter Mann maskiert sich, um noch am lustigen Treiben der Jugend teilhaben zu können, doch verausgabt sich beim Tanzen, bricht plötzlich zusammen, wird von einem Arzt demaskiert und nach Hause geleitet.

Episode II - La Maison Tellier: Um der Kommunion ihrer Nichte beizuwohnen schließt eine "Madame" ihr Freudenhaus und nimmt die leichten Mädchen mit auf die Reise in die Normandie, was in der Stadt zu großer Verärgerung der Stammkundschaft führt und auf dem Land für großes Aufsehen sorgt.

Episode III - Le Modèle: Ein junger Maler verliebt sich in sein Modell. Die beiden ziehen zusammen, leben zunächst glücklich miteinander, doch streiten sich am Ende so sehr, dass die junge Frau Selbstmord begeht.

Stil


  • Gedreht in Schwarzweiß auf 35 mm
  • Außerordentlich bewegte Kamera, Leichtigkeit der Kamera: viele horizontale und vertikale Schwenks, (Kran-)Fahrten und Kombinationen, Raumspiele, 360°-Schwenks, Kamera wie schwebend, ohne eigenen Körper
  • Wilde, virtuose, komplexe Kamerafahrten in Plansequenzen erzeugen einen Wirbel aus Kamera, Schauspielern und Bauten (insbesondere Tanzszene in Le Masque)
  • Eigentlich bei Plansequenzen: Langsame, fließende Bewegungen, ruhiges Tempo (aus Gründen der Planbarkeit, Umsetzbarkeit)
  • Bei Ophüls Plansequenzen: schnelles Tempo, Hektik, viel Bewegung, hohe technische Schwierigkeiten, sehr anspruchsvoll, extreme Anspannung am Set, oft waren mehrere Takes notwendig (z.B. Selbstmord in Le Modèle)
  • Sets wurden extra für die komplexen Kamerafahrten gebaut, wirken sehr labyrintisch, kompliziert, eng (verschlungene Treppen und Gänge, genau positionierte Wände und Fenster)
  • Sets sind so gebaut, dass sie die Fahrten ermöglichen, dies aber verbergen
  • Luxuriöse, ausschweifende, verschwenderische Dekors
  • Alle Episoden werden von einem Erzähler aus dem Off begleitet (in der deutschen Version mit französischem Akzent)
  • Ironische Art des Erzählens, unterstützt durch den Off-Sprecher, streift das Sarkastische; sarkastische Doppelbedeutungen
  • Reale Musiker im Film machen die Filmmusik, z.B. Tanzkapelle in Episode Le Masque, Musiker in Die Verkaufte Braut (1932)
  • Emotionaler Schmerz wird gezeigt (damals normalerweise Umschnitt oder Wegdrehen)