Le Crime de Monsieur Lange

(Das Verbrechen des Herrn Lange)

Jean Renoir, 1936 (IMDb)




Der Regisseur


  • Gilt vielen als bedeutendster Regisseur Frankreichs
  • Für Renoir Filmen als ein Anlass Freunde zu treffen
  • Hat keinen Unterschied gemacht zwischen Profi- und Amateurschauspielern
  • Renoirs Arbeitsweise: Entwicklung von Tag zu Tag, tägliche Einfälle, Improvisation, sich von dem Moment leiten lassen, keine Storyboards
  • Weitgehender Wegfall mit Einführung des Tonfilms: Planbarkeit, Methodik, Storyboards
  • Renoir hat weiter auf Spontaneität bestanden
  • Bestand auf echtem Ton und realen Sets (wenn möglich), dadurch hohe Authentizität
  • Hat gern Dialoge am Set vom Drehbuchautor entwickeln lassen: in Le Crime de Monsieur Lange leichte Poesie von Jacques Prévert
  • Experimentierte ständig mit Filmtechnik und Mitteln des filmischen Erzählens, experimentelle Momente
  • War in Bild und Ton nicht an technischer Perfektion interessiert
  • Hat sehr viele unterschiedliche Arten von Filmen gemacht
  • War sehr stark von Erich von Stroheim (Greed [1924]) beeinflusst, siehe unten bei La grande illusion (1937)
  • Drehte sehr gerne sehr lange Einstellungen, Kamera immer in Bewegung/im Fluss, Kamera als eigener Protagonist
  • Hat sehr viel mit kleinen Budgets gearbeitet, aber auch mit Stars
  • Wird von vielen als Vorreiter des italienischen Neorealismus angesehen, vor allem durch Toni (1935), siehe unten

La Bête humaine (1938), Parallelmontage der Mordszene mit Chanson-Sänger:
  • Lied speziell für den Film geschrieben, Text von Renoir
  • Fast zynischer Kontrast zwischen Mordszene und süßlichem Tenor-Sänger
  • Großer Kontrast zwischen Mord und Chanson auch in der Bildgestaltung (Low Key vs. High Key)
  • Mord als Affekthandlung
  • Komplexe, präzise Kamerafahrt, die mit dem Voyeurismus der Zuschauer spielt: Zuschauer glaubt/erwartet den Mord zu sehen, die Kamera bleibt aber auf dem Ehebett im Schlafzimmer stehen
  • Text des Liedes wird fast zu einem Kommentar zum Bild (2. Strophe)
  • Ist zunächst auf Frau gerichtet, später bei 3. Strophe auf Mann
  • Erzeugt Empathie/Mitleid für das Geschehen
  • Untermalen des Öffnens der Tür mit langem hohen Ton des Sängers
  • Nach dem Gesang (/dem Mord) nicht Beifall, was ein weiterer Höhepunkt des Zynismus wäre, sondern hochdramatische Musik, die nur beim ersten Hinhören an Beifall erinnert

Toni (1935):
  • Nur mit Laiendarstellern besetzt
  • Personelle Verbindung zum Neorealismus über Regieassistent Luchino Visconti (Ossessione [1943])
  • Szene "Die Leiche": Ironie: Mord wie nebenbei, nebensächlich, lapidar dargestellt, gegen die Gesetze des Genres
  • Szene "Der Wespenstich": durch einen Wespenangriff entsteht beim Traubenpflücken eine Liebesszene, die keine ist; schöne Auflösung: nicht Schuss/Gegenschuss, sondern Schwenk

La grande illusion (1937):
  • Erich von Stroheim als Darsteller, war große Ehre für Renoir
  • Am Anfang des Films Stroheim als draufgängerischer Flieger, später Gefängnisdirektor mit Halskorsett
  • Halskorsett war Idee von von Strohheim: Erzählen in Bildern: Flieger hatte Unfall, deshalb jetzt Gefängnisdirektor
  • Figur von Stroheims wird über den Raum und die Gegenstände/Requisite eingeführt (vgl. Hitchcocks Rear Window [1954])
  • Erzeugung von Tiefe durch Plansequenz

Hintergrund


  • Ganzer Film als Rückblende erzählt
  • Gleichzeitig sozialer Kommentar, Liebesromanze und Kriminalfilm
  • Empathie/Sympathie der Zuschauer liegt bei Mörder
  • Spiel mit Amoralität, auch in Bezug auf Sexualität, z.B. mehrere Liebhaber oder Machtmissbrauch von Batala

Im Vergleich zu Scarface (1932):
  • Renoir musste mit deutlich weniger Budget auskommen
  • Alltäglicher, näher am Leben
  • Starke politische Färbung, Thematik Kollektiveigentum/Kooperative: Renoir und Prévert waren links orientiert

Handlung


Amédée Lange und Valentine sind auf der Flucht. An der belgischen Grenze finden sie in einem kleinen Hotel ein Zimmer. Die Gäste des Restaurants schöpfen Verdacht, vermuten, daß Amédée ein von der Polizei gesuchter Mörder ist. Valentine erzählt ihnen seine Geschichte.

Imbued with the spirit of the left-wing political movement, Popular Front, which would have a major political victory that year, the film chronicles the story of M. Lange, a mild-mannered clerk at a publishing company who dreams of writing Western stories. He gets his chance when Batala, the salacious head of the company, fakes his own death and the abandoned workers decide to form a cooperative. They have great success with Lange's stories about the cowboy, Arizona Jim — whose stories parallel the real-life experiences of the cooperative. At the same time, Lange and his his neighbor, Valentine, fall in love.

When Batala returns from the "dead," intending to reclaim the publishing company, Lange shoots and kills him (the "crime" of the title). Lange and Valentine flee, stopping at an inn on the border where she tells his story to a group of men — appealing to them to not turn Lange in. In the end, the men allow them to cross the border.
(Quelle: Wikipedia)

Stil


Fahrten:
  • Lange Einstellungen, Kamerafahrten, viel Bewegung
  • Typisch für Renoir

Liebesmoral:
  • In Frankreich sehr viel freier als in jedem anderen Filmland der damaligen Zeit

Der Zugunfall:
  • Kamerafahrt über Innenhof, Radio berichtet über Zugunglück, Blick in Zimmer, Schnitt in Zimmer
  • Innen und außen verschmelzen
  • Ein Arbeitstitel für den Film war Im Innenhof
  • Innenhof wie ein Raum

Wiederkehr des Toten:
  • Kamera bleibt sehr lange in Rückenansicht
  • Kein Schuss/Gegenschuss

Der Mord / Kreisen im Innenhof:
  • Jeweils 270° Schwenks

Das Ende:
  • Die Männer im Hotel als Volkstribunal
  • Der Mörder M. Lange erscheint sympathisch, seine Tat nachvollziehbar, der Ermordete Batala erscheint unsympathisch
  • Tribunal entscheidet sich, den Mörder gehen zu lassen, stellvertretend für das Publikum

Sohn des Eigentümers:
  • "Goldenes Herz, vertrocknetes Hirn, volles Portemonnaie" - Zitat Fred v. d. K.
  • Hilft bei der Flucht
  • Szene eigentlich sehr lapidar: "Oh, du hast jemanden ermordet, ja dann flüchtest du am besten mal."