Faust

Friedrich Wilhelm Murnau, 1926 (IMDb)




Der Regisseur



Hintergrund


  • Verwebt Motive aus dem Volksbuch Historia von Doktor Johann Fausten – dem weitbeschreyten Zauberer und Schwarzkünstler (1587) mit Elementen aus den Dramatisierungen dieses Stoffes durch Christopher Marlowe und J. W. Goethe
  • Letzter Film Murnaus in Deutschland vor seinem Wechsel in die USA
  • Murnau auf dem Höhepunkt seiner Karriere in Deutschland
  • Emil Jannings wie in Der letzte Mann (1924) erneut als Hauptdarsteller

Storyboards:
  • Enorm wichtig für Planung und Kostenkalkulation
  • Kann helfen ein Drehbuch für Projektteilnehmer und Geldgeber zu veranschaulichen
  • Kann viele Informationen enthalten zu Kadrierung, Licht, Bauten, Perspektive
  • Möglichkeit der Konstruktion unmöglicher Perspektiven
  • Gefahr, beim Dreh das Storyboard nur "nachzuäffen", und nicht spontan auf Gegebenheiten zu reagieren
  • Murnaus Philosophie: Storyboard soll nicht Bilder des Films vorwegnehmen, sondern eine Stimmung transportieren; lässt viele Freiheiten für die tatsächliche Umsetzung

Sunrise (1927):
  • Einer der schönsten Filme Murnaus
  • Gegenwartsgeschichte (vgl. Der letzte Mann [1924])
  • Gedreht im Studio und in der freien Natur
  • Außerordentlicher Aufwand: Nachbau einer deutschen Kleinstadt und von Teilen einer Berlin-artigen Großstadt inklusive Straßenbahn; großer Baum umgepflanzt, verdorrt, Blätter aus Papier angeklebt
  • Der Gang ins Moor: eine der ersten Plansequenzen mit einer bewegten Kamera, Kamera scheint zu schweben, Kamera an Deckengleisen befestigt, alles im Studio gedreht
  • Verzerrte Perspektive wird gebaut, die in der Realität nicht möglich sind, Einstellung ein Konstrukt
  • War kein großer kommerzieller Erfolg, Murnau verlor seinen hohen Status in Hollywood
  • Drehbuch von Carl Mayer

4 Devils (1928), Storyboards:
  • Suggestive Storyboardbilder, die die Grundidee des Films festhalten
  • Sehr impressionistisch
  • Film gilt als verschollen

Saboteur (Alfred Hitchcock, 1942), Storyboards:
  • Hitchcock war großer Bewunderer Murnaus
  • Hitchcock hat als Zeichner für Zwischentitel angefangen
  • Hitchcock hat Idee der Storyboards von Murnau aufgegriffen und in den 1940er Jahren in Hollywood zum Standard gemacht
  • Hitchcock aber sehr Storyboard-affin, Storyboards sehr detailliert; die Setmöglichkeiten wurden dadurch nicht voll ausgeschöpft

Handlung


Erzengel Michael und Mephisto schließen einen Pakt, nach dem Mephisto die Erde gehören würde, wenn es ihm gelingt, die Seele des Gelehrten Faust zu erringen.

Als in der Stadt die Pest ausbricht, findet Faust kein Mittel gegen die Seuche. In seiner Verzweiflung ruft er die bösen Geister an. Mephisto erscheint und bietet ihm seine Hilfe an. Faust lässt sich auf einen Vertrag - zunächst für einen Probetag - ein, indem er als Gegenleistung Mephisto seine Seele verspricht. Es gelingt Faust, einige Pestkranke zu heilen. Mephisto macht ihm das Ideal der Jugend schmackhaft und Faust wieder jung. Sie ziehen an den Hof von Parma, wo Faust die Herzogin von ihrem Hochzeitsfest weg verführt. In diesem Moment ist der Probetag abgelaufen und Mephisto nötigt Faust die ewige Geltung ihres Pakts ab.

Faust ist vom Rausch des jugendlichen Lebens nicht zufriedenzustellen, es zieht ihn zurück in seine Heimat. Dort begegnet er an der Kirche Gretchen und verliebt sich in sie. Mit Mephistos Tricks gewährt sie Faust schließlich Zugang und eine Romanze beginnt. Zur selben Zeit vergnügt sich Mephisto mit Marthe Schwerdtlein. Er lockt auch Gretchens Bruder Valentin nach Hause als Faust gerade dort zugange ist. Im Kampf mit Faust tötet Mephisto Valentin heimtückisch.

Gretchen wird als Dirne an den Pranger gestellt und ist eine Ausgestoßene. In Winter bringt sie ein Kind von Faust zur Welt, das erfrieren muss, da niemand ihr Einlass gewährt. Sie wird als Kindsmörderin zum Tod auf dem Scheiterhaufen verurteilt. Faust verurteilt die Jugend im Angesicht Gretchens Tragödie, woraufhin Mephisto ihm sein altes Aussehen zurückgibt. Erst auf dem brennenden Scheiterhaufen erkennt Gretchen ihren Faust in dem alten Mann. Sie sterben beide und fahren auf in den Himmel.

Mephisto hat seine Wette mit dem Erzengel verloren, da er das „mächtige Wort“ nicht kennt: Liebe!
(Quelle: Wikipedia)

Stil


  • Geprägt vom dominanten Spiel Emil Jannings', den Bauten von Robert Herlth und Walter Röhrig sowie der Beleuchtung
  • Balance zwischen Expressionismus und Romantik
  • Hat expressionistische Züge (vgl. Das Cabinet des Dr. Caligari [1920], Der Golem [1920])
  • Ausgeklügelte Kamera- und Tricktechnik
  • Außerordentliche visuelle Kraft
  • Weist Elemente des Fantasyfilms auf
  • Kamera wird zum Mitspieler (z.B. bei den Artisten)
  • Einsatz von Doppelbelichtungen zum Zusammenführen mehrerer Szenen
  • Das Mystische der Figur Faust wird durch Lichteffekte eingefangen
  • Liebesgeschichte von Faust und Gretchen bleibt oberflächlich, ähnlich wie die Beziehung in Sunrise (1927) (vgl. Murnaus Homosexualität)

Caligari-Welt:

Licht und Raum:
  • Kühne Lichteffekte setzen Forschung in Szene, Licht erzeugt Laborstimmung
  • Licht und Raum waren für Murnau die wesentlichsten Eigenschaften eines Filmbilds

Die Teufelsbeschwörung:
  • Bildgewaltig, voller Spezialeffekte