Csillagosok, katonák

(Die Roten und die Weißen/Sterne an der Mütze)

Miklós Jancsó, 1967 (IMDb)




Der Regisseur


  • Ungarischer Regisseur und Drehbuchautor, geboren 1921
  • Machte sehr gerne sehr lange Einstellungen, Plansequenzen
  • Wollte das Theatralische aus dem Film treiben, kein abgefilmtes Theater
  • Typisch: Pendelbewegungen, Ausnutzung von Vorder- und Hintergrund, Raum und Tiefe

Plansequenzen:
  • Frz.: plan-séquence, engl.: long take/sequence shot
  • Sehr lange Kameraeinstellungen in Realzeit ohne Schnitt
  • Traditionell im amerikanischen Kino für Introduktionen/Expositionen am Anfang eines Films verwendet, berühmtes Beispiel: Anfangssequenz von Touch of Evil (1958)
  • Aber auch zu anderen, dramaturgischen Zwecken verwendet (vgl. Citizen Kane [1941])
  • Auge des Zuschauers muss auf subtile Art gelenkt werden
  • Sehr großer Spielraum im Umgang mit Geschwindigkeit, Spannung, Bewegung, etc.
  • Problem: keinerlei Möglichkeit zur Korrektur im Schnitt
  • Plansequenzen widersprechen der eigentlichen Aufgabe des Filmemachens, Zeit zu verdichten
  • Zuschauer ist kondensierte bzw. geschnittene Zeit gewohnt und nimmt diese als normal war
  • Zuschauer bekommt durch Plansequenzen das Gefühl einer extremen dramaturgischen Verzögerung
  • Beispiel: Die Jäger (1977) von Theo Angelopoulos: lange Plansequenz mit einem unsichtbaren Schnitt
  • Amerikanisches Prinzip: Kamerabewegungen werden in Handlungen versteckt

Hintergrund


  • Russisch-Ungarische Koproduktion, in der Sowjetunion gedreht
  • Thema: Russischer Bürgerkrieg (1917/18 bis 1920) nach der Oktoberrevolution, kommunistische Rote Armee gegen zaristische Weiße Armee
  • Ungarische Freiwillige auf der Seite der Roten Armee
  • Sollte eigentlich zum 50. Jahrestag der Oktoberrevolution die Entstehung der kommunistischen Bewegung feiern
  • Jancso machte jedoch eine Art Antikriegsfilm
  • In Russland nicht gut aufgenommen, zunächst umgeschnitten, um dem Film einen heroischeren Klang zu geben, später verbannt
  • In Ungarn und dem Westen sehr gut angekommen

Handlung


In 1919, Hungarian Communists aid the Bolsheviks' defeat of Czarists, the Whites. Near the Volga, a monastery and a field hospital are held by one side then the other. Captives are executed or sent running naked into the woods. Neither side has a plan, and characters the camera picks out soon die. A White Cossack officer kills a Hungarian and is executed by his own superiors when he tries to rape a milkmaid. At the hospital, White officers order nurses into the woods, dressed in finery, to waltz. A nurse aids the Reds, then they accuse her of treason for following White orders. Red soldiers walk willingly, singing, into an overwhelming force. War seems chaotic and arbitrary.

(Quelle: IMDb plot summary)

Stil


  • Position der Roten Armee bevorzugt, also eigentlich parteiisch, aber auch Seitenwechsel, also nicht einfach nur "Gut" und "Böse"
  • Grenzen zwischen "Guten" und "Bösen" verschwimmen, keine eindeutige Stellung bezogen
  • Sehr viel subtiler als ein einfaches Kriegsschauspiel, erstaunlich
  • Mischung aus sinnloser Brutalität und oberflächlicher Höflichkeit im Verhalten der Soldaten
  • Moralische Dilemmas (vgl. Robert Bresson), gegenseitige Unterdrückung, Willkür und Ausgeliefertsein wird herausgestellt
  • Wenige, sehr lange Einstellungen, bis zur maximalen Grenze einer Filmrolle
  • Große Schönheit der Bilder, eigenartige Ästhetik
  • Kamera fast immer in Bewegung, viele Plansequenzen, Pendelbewegungen, zentimetergenaue Führung der Kamera
  • Choreografierte Bewegungen vor der Kamera
  • Verdichtung der Handlung durch Plansequenzen sehr unkonventionell eingesetzt, auf Irritation ausgelegt, merkwürdig
  • Kurze, kryptische, hinweisgebende Dialoge in Plansequenzen (z.B. Szene Beim Spital)
  • Keine wirklichen Hauptdarsteller, nur teilweise wiederkehrende Figuren
  • Minimale Erzählkomponente führt zu Rätselhaftigkeit
  • Der Zuschauer fragt sich: "wohin geht das?", "was ist die Aussage dessen, was wir da sehen?"
  • Settings mit Bäumen (z.B. Szene Der Birkenwald) typisch für Jancso
  • Ständiger Wechsel zwischen Hochdramatik im Vordergrund und eintöniger Leere, die nicht gekürzt wurde
  • Szenen der Leere bringen zusätzliche Informationen, man kann mehr über die Situation herausbekommen

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