Citizen Kane

Orson Welles, 1941 (IMDb)


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Der Regisseur


Hollywood wurde durch das Radiohörspiel War of the Worlds auf Welles aufmerksam, der bis dahin nur Erfahrungen beim Radio und im Theater gesammelt hatte. Er bekam einen bis dahin einmaligen Vertrag: Er durfte für Citizen Kane das Drehbuch schreiben, Regie führen, die Hauptrolle spielen und hatte das Recht auf den sogenannten Final Cut.

In einem späteren Interview sagte Welles, er habe das "Glück der Ahnungslosigkeit" gehabt. Er konnte alles vom Ungewöhnlichen bis zum Unmöglichen am Filmset verlangen, da er es einfach nicht besser wusste. So kam unter anderem die bemerkenswerte Beleuchtung des Filmes zustande. Er hatte bis dahin auch in seinen Theaterstücken immer eine eigene und originelle Lichtkonzeption gehabt.

  • War was das Publikum betrifft nicht sehr erfolgreich in den USA
  • Ist später dann nach Europa gegangen (nach Touch of Evil)
  • Ist zu immer kleineren Studios gewechselt
  • Hat sich oft merkwürdige, obskure Geldgeber geholt

Hintergrund


  • Das produzierende Studio RKO war damals verhältnismäßig arm
  • Welles hatte Final Cut
  • Der Film war künstlerisch hoch angesehen, aber kein Publikumserfolg

Handlung


Der berühmte amerikanische Zeitungsmagnat Charles Foster Kane stirbt nach einem langen, ereignisreichen Leben auf seinem monströsen Schloss Xanadu. Um etwas Besonderes über den Tod Kanes berichten zu können versucht ein Journalist herauszubekommen, was das letzte Wort des Magnaten ("Rosebud") zu bedeuten hat. Im Zuge dessen rollt der Journalist das ganz Leben des "Bürgers Kane" anhand von Zeitzeugen und Weggefährten auf.

Stil


Das Thema des Films ist, Licht ins Dunkel bringen, was auch in der Bildgestaltung durch expressionistisches, hartes Licht (seitliche Lichtstrahlen, viele Schatten, "Horrorfilm-Beleuchtung") aufgegriffen wird.

Wichtige Stilelemente:

  • Mischung von Film- und Theatertechniken: Bei einem Szenenwechsel wird das Licht vor dem Überblenden/dem Schnitt ab-, danach wieder aufgeblendet. Auch arbeitete Welles in vielen Szenen mit nur wenigen Attrappen in einem fast leeren Studio.

  • Bildkonstruktion in die Tiefe: Innerhalb einer Einstellung sieht der Zuschauer mehrere Erzählebenen, von denen die wichtigste immer in die Mitte des Bildes kadriert wird.

  • Verkürzung der Handlung durch den Schnitt: Beispiel: Die erste Ehe von Kane wird mit Reißschwenks als Übergang in wenigen Einstellungen erzählt.

  • Innere Montage (Montage innerhalb einer Einstellung): Durch Doppelbelichtungen können mehrere Bildebenen getrennt voneinander scharf gestellt sein. Für gleichzeitige Schärfe von Vorder- und Hintergrund wird z.B. der Hintergrund in der Kamera abgedeckt und der Vordergrund gedreht, dann wird zurückgespult, der Vordergrund abgedeckt und der Hintergrund gedreht. Beispiel: In der Szene in der sich Kanes Frau vergiftet hat sind das Gift im Vordergrund und Kane im Hintergrund scharf, seine Frau in der Mitte des Bildes unscharf gestellt. Der Zuschauer montiert mit seinen Blicken. Weitere Möglichkeiten große Tiefenschärfe zu suggerieren waren Rückprojektion oder Silhouetten.

  • Einsatz von Matte Paintings in mehreren Szenen, z.B. für die weiten Gänge in Kanes Palast. Der Eindruck von Größe wird auch durch den Ton erzeugt.

  • Häufig niedrige/steile Kamerawinkel: Decke im Bild zu sehen.

  • Kranfahrten (in Zusammenarbeit mit Kameramann Toland) nach oben „aus der Szene heraus“, unter Verwendung von aufgehängten Stadtmodellen und Querbalken in Kombination mit horizontaler Wischblende

  • Die Rückfahrt aus dem Schnee in die Hütte in Citzen Kane – war völlig neu in Hollywood seinerzeit. Vordergrund und Hintergrund wirken durch Lichtauslassung (schwarz scheint auch im Unscharfen noch scharf!) scharf, dadurch wurde trotz der komplizierten Einstellung mit Fahrt sehr viel Tiefe im Raum erreicht.

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