Cabiria

Giovanni Pastrone, 1914 (IMDb)




Der Regisseur


  • Geboren 1883, gestorben 1959
  • War ein italienischer Filmregisseur, Drehbuchautor, Schriftsteller, und Schauspieler
  • Auch bekannt unter seinem Künstlernamen Piero Fosco
  • Begann 1905 als einfacher Buchhalter im Filmkonzern "Rossi & C." in Turin
  • Wurde 1907 Verwaltungsdirektor der Firma, welche 1908 in die Italia Film umgewandelt wurde
  • Wendete auf dem Höhepunkt seiner Berühmtheit 1919 dem Kino den Rücken zu und begann sich Studien und Medizinexperimenten zu widmen
  • War sehr innovativ: hat Filmperforation und Projektoren verbessert und den Kameraschwenkkopf erfunden, hat Kamerafahrten deutlich weiterentwickelt
  • War einer der ersten der filmische Dekors auf räumliche Tiefe angelegt hat: Erzeugung eines räumlichen Gefühls, Nutzung des Raumes für erweiterte inszenatorische Möglichkeiten

Hintergrund


  • Erfolgreichster italienischer Monumentalfilm
  • Einer der ersten abendfüllenden Spielfilme
  • Basiert lose auf Cartagine in fiamme (Karthago in Flammen, 1908) von Emilio Salgari und Gustave Flauberts exotischem Roman Salammbô (1862)
  • Der italienische Schriftsteller Gabriele D'Annunzio arbeitete am Drehbuch mit und schrieb die Zwischentitel
  • War film- und kameratechnisch revolutionär zur damaligen Zeit und sehr einflussreich für nachfolgende Filme
  • War ein Haupteinfluss auf The Birth of a Nation (1915) und Intolerance (1916) von D.W. Griffith
  • Molochsequenz mit Opferung der Kinder von Fritz Lang in Metropolis (1927) zitiert
  • Muskulöser Hafenarbeiter Bartolomeo Pagano als Maciste, vorher vollkommen unbekannt, wurde durch den Film zu einem großen Star in Italien; von 1915 bis 1927 entstanden 25 weitere Maciste-Filme mit Pagano in dieser Rolle

Handlung


Eine Beschreibung der Handlung der 123-minütigen Fassung die auf DVD erhältlich ist findet sich in der Wikipedia.

Stil


  • Hohe Schauwerte zur Kompensation des fehlenden Tons: Massenszenen, aufwändige Bauten, pompöse Ausstattung, technische Spektakel
  • Dreidimensionaler Setbau, alles gebaut, nichts durch gemalte Leinwände nachgestellt
  • Fast ausschließlich Totalen, nur sehr wenige Großaufnahmen
  • Erstmals Einsatz eines schwenkbaren Kamerakopfs und eines Kamerawagens, auch um durch Travellings die enormen Sets richtig zur Geltung kommen zu lassen
  • Einsatz von Pantomime, wenn Pastrone keinen Zwischentitel setzen wollte
  • Zwei technische Neuerungen:
  1. Einsatz von Travellings
  2. Einsatz von Kunstlicht

Fahrten:
  • Sehr viele langsame, fließende Fahrten, aber nicht pausenlos
  • Tableaus von mehreren Leuten, Zufahrt auf bestimmte einzelne Leute: Person aus dem Hintergrund
    rückt plötzlich in den Mittelpunkt, Detail wird in größerer Einstellung gezeigt
  • Kaschierung von Zufahrten durch Parallelisierung/Kombination des technischen Prinzips der Fahrt mit der dramaturgischen Erzählung

Staffelung:
  • Erzeugung von Tiefe durch Platzierung von Elementen im Vordergrund
  • Staffelung der Bildebenen: Hintergrund, Mittelgrund, Vordergrund 1, Vordergrund 2
  • Jeweils unterschiedliches Licht
  • Enorme Tiefenwirkung
  • Von Malerei inspiriert
  • Auch der Hintergrund ist gefüllt, man kann seinen Blick durchs ganze Bild schweifen lassen
  • Um das Auge des Zuschauers zu lenken verhalten sich die momentan unwichtigen Darsteller fast statisch

Auf Kamera zu:
  • Leute die auf die Kamera zulaufen
  • Vom Licht (draußen) ins Dunkle (drinnen)
  • War eine Neuerung in der Filmgeschichte

Evgenii Bauer (1865-1917):
  • War russischer Filmregisseur
  • Gehörte neben Jakow Protasanow zu den bedeutendsten und einflussreichsten Filmemachern des vorrevolutionären Russland
  • Schuf in seiner nur vierjährigen Filmkarriere von 1913 bis 1917 über 70 Filme, von denen 26 erhalten sind
  • Setzte intensiv filmische Mittel wie Rückblende, bewegte Kamera, Nahaufnahme, lichtdramaturgische Effekte und Split-Screen-Technik ein
  • Untheatralischer Umgang mit Raum: filmische Raum-/Tiefenwirkung

Trick:
  • Doppelbelichtung, einkopierte Leute
  • Einsatz von Modellen
  • Blitze mit Kunstlicht
  • Magnesiumfeuer für Feuertöpfe

Licht:
  • Komplexe Vielfalt von Lichtarten: Einsatz von Kunstlicht, aber auch natürlichem Licht
  • Künstlerische Lichtführung für Bildstaffelung und Dramaturgie (z.B. Licht von unten oder hinten)
  • Experimente im Bereich des Kunstlichts
  • Tiefer Sonnenstand, Wirkung der Silhouette (z.B. Abendsilhouette in Wüste)
  • Feuer als reale, primäre Lichtquelle

Rembrandt-Licht:
  • Silhouette im Vordergrund
  • 1 Licht was zentral einen Teil der Szene beleuchtet
  • Große Teile des Bildes im Dunkel
  • Suggestive Lichtwahrnehmung
  • Spiel mit Raumgefühl

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