09 – Panzerkreuzer Potemkin (Sergej Eisenstein, 1925)

09_Panzerkreuzer_cov.jpg



Eisenstein -> starke Bilder
- erste Filmtheoretische Veröffentlichungen: Was macht Film besonders, was unterscheidet Film von anderen Medien, was macht Schnitt aus dem Film, was bedeutet Schnitt für den Film
- Schnitt ist die Essenz des Films, alles andere ist Vorarbeit
- Unterschiede heute – früher:
heute: in einem Film eine Geschichte erzählen.
Früher: ein Film kann vieles, außer Geschichten erzählen.
Heute: Wird im Film viel vorgekaut („Babynahrung“) und dem Zuschauer zu viel erzählt und nicht „gezeigt“. Film hat seine bildliche Aussage verloren.
Eisenstein / Kurosawa haben bildlliche Aussagen in den Vordergrund gerückt.
- sowjetische Montage: extrem schnelle und kurze Schnitte
- stereotypisierung der Personen: Matrosen, Leutnant etc. aber keine Individualisierung mit den Charakteren

Zum Film „Panzerkreuzer Potemkin“
Russland im Jahr 1905. Der russisch-japanische Krieg wirft seine Schatten auch auf die Hafenstadt Odessa am Schwarzen Meer. Die Disziplin in Armee und Marine wird mit härtesten Maßnahmen aufrechterhalten. Doch unter den Matrosen des Panzerkreuzers „Fürst Potemkin von Taurien“ herrscht dumpfe Meuterei­stimmung wegen verdorbener Verpflegung. Von ihrem knappen Sold kaufen die Leute das Notwenigste in der Kantine. Zu den grausamsten Konsequenzen entschlossen, befiehlt der Kommandant ein Kommando zusammenzustellen und eine Gruppe von etwa 20 Matrosen auf dem Achterdeck zu erschießen. Unter einer Persenning (Segeltuch) erwartet die willkürlich ausgesuchte Gruppe den Tod. Da erhebt sich der Matrose Wakulintschuk und verhindert mit dem Ruf „Die Waffen nieder!“ und „Kameraden, auf wen schießt ihr?“, dass die Kameraden getötet werden. Es kommt zum Aufstand – vergeblich versuchen die Offiziere, die Disziplin wieder­herzu­stellen. Während des Kampfes der verzweifelten Mannschaft wird Wakulintschuk vom Kommandanten erschossen. Alle Offiziere werden getötet.Am nächsten Tag steuert eine Dampfbarkasse den Hafen von Odessa an. Matro­sen legen die Leiche Wakulintschuks in einem Zelt am Kai nieder. Auf seiner Brust liegt ein Zettel mit der Aufschrift „Für einen Löffel Suppe!“ Wie ein Lauffeuer ver­breitet sich die Kunde von den Ereignissen an Bord der „Potemkin“. Viele Ein­woh­ner Odessas erweisen dem toten Matrosen die letzte Ehre. Zu hunderten fahren Segelboote zur „Potemkin“ hinaus. Ihre Besatzung jubelt den aufständi­schen Matrosen zu und versorgt sie mit frischem Proviant. Mitten in den allge­mei­nen Jubel hinein fällt die Nachricht, dass die Regierung Kosakentruppen zur Nie­der­schlagung des Aufstands in Marsch gesetzt hat. Im Gleichschritt naht nun das Unheil. Unter den Hufen der Reiterschwadronen dröhnt die Erde, Schüsse fallen, Säbel hauen auf wehrlose Zivilisten ein. Auf der breiten Freitreppe hinunter ins Hafengebiet richten die Truppen ein Massaker unter der Bevölkerung an. Der Aufstand wird niedergeschlagen.
Die Besatzung der „Potemkin“, die vor dem Hafen liegt, erreicht die Nachricht, dass das Admiralitätsgeschwader gegen ihr Schiff in Fahrt gesetzt wurde. Am Morgen taucht die Schlachtflotte am Horizont auf. Die „Potemkin“ richtet ihre Geschütze auf sie. Die Signalmaaten signalisieren „Schießt nicht, Kameraden!“ hinüber zu dem feindlichen Geschwader. Die Gegner fahren aufeinander zu.
Doch im letzten Augenblick senken sich die Kanonen, die Admiralitätsflotte schließt sich an, die Mannschaften jubeln – die Kameradschaft hat gesiegt.
Die rote Fahne der Revolution flattert im Wind.

Aufbau der Treppenszene (in Sequenzen)
1. Schuss → Treffen der ersten Person, eine Frau → gleiche Einstellung, Zeitsprünge
Durch die direkten Blenden wird der Eindruck gewonnen, dass diese Frau mehrmals und auf unterschiedliche Weise getroffen wurde.
2. Es folgt die erste Fluchteinstellung, wobei die Blende durch den bildfüllenden Schirm verursacht wird. Ebenso wechseln die Bildelemente von Linien zum Kreis.
3. Dann ein Beispiel für die Komposition der Laufrichtungen:
von rechts oben nach links unten → von unten nach oben → von links oben nach rechts unten → von oben nach unten → Fall langsam von rechts nach links → Fall schnell → Fall langsam von links nach rechts → Halbtotale in Ruhe → Totale in Bewegung → Halbtotale in Ruhe → von rechts oben nach links unten → von unten nach oben → von rechts unten nach links oben
4. Daraufhin eine Komposition der zu sehenden Gruppen:
Dreiergruppe → Masse → Zweiergruppe → Dreiergruppe → Masse → Zweiergruppe → Masse → Einzelperson → Masse → Einzelperson
5. Es folgt die Kindes-Sequenz.
Ständiger Wechsel zwischen Einzelschicksal und Massenflucht.
6. „Bitt-Sequenz“
Von der Totalen zur Großaufnahme. „Wie Wellen sich bewegende Personen“, alte Frau wie Leuchtturm im Sturm
7. Erschießung
Spiel mit Licht und Schatten sowie Linien. Ebenso wird Stillstand zur Bewegung.
8. Kinderwagen
Einführung durch Reiter. Parallel: alter Mann will seine Ehefrau hochheben.