03_TheBirhOfANation (David Wark Griffith, 1915)


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Alle Innenszenen: Das Licht ist nicht künstlich, sondern stammt von der Sonne.
Das Licht bei den Innenaufnahmen war deshalb Sonnenlicht, weil das Theater kein Dach hatte-> daraus folgte, daß man mit dem jeweiligen Sonnenstand arbeiten mußte, um Effekte zu erzielen
Sterbe-Szene: Der Aufheller wird fallengelassen, sodass nur noch die „Spitze“ (Lichtkante, von der Sonne) bleibt.
Das Filmmaterial war so empfindlich, dass man große Reflektoren brauchte.
Große Gesten (die vom Theater her kamen, und im Stummfilm gern eingesetzt wurden, als Ersatz für fehlenden Ton) fielen weg.
Emotionen wurden zurückgeschraubt, die Rückenansicht von Schauspielern wurde eingeführt.
Alle Schauspieler waren zu diesem Zeitpunkt Laien und wurden durch Griffith in den 20er Jahren zu großen Stars
Mae Marsh war zu diesem Zeitpunkt ca. 21 Jahre alt und spielte aber eine 14jährige
Lachen in einer Angstsituation: Fast schockierend und sehr ungewöhnlich für damalige Zeit

10.11.05
Griffith hat Großaufnahmen popularisiert und extrem eingesetzt
Er hat rassistische Filme (nur gegen Afroamerikaner) gedreht, aber auch antirassistische Filme (FÜR Chinesen).

(1) Birth of a Nation
Geburt einer Nation
Regie: David Wark Griffith
USA
Darsteller: Lillian Gish, Henry B. Walthall, Mae Marsh, Ralph Lewis
Ein ursprünglich 160 Minuten langer Monumentalepos der Superlative zur Zeit des amerikanischen Bürgerkrieges. Er kostete soviel, daß keine Filmgesellschaft ihn produzieren wollte und Griffith dafür eine eigene gründete.
Griffith drehte mit vier Regieassistenten ohne Drehbuch und schriftiche Unterlagen, er hatte alles im Kopf. Künstlerisch war Griffith seiner Zeit weit voraus, er dachte und gestaltete nicht mehr in den Kategorien des Theaters, sondern in der Sprache des Films. Er hat seine vielfach verästelte und handlungreiche Geschichte in einen suggestiven Rhythmus gezwungen, der seinen Höhepunkt in einer raffinierten Parallel-Montage am Schluß hat: Drei Handlungen (Blockhaus – Lynchs Arbeitszimmer – die Reiter des Ku-Klux-Klan) sind bis zu einer furiosen 'last-minute-rescue' gegeneinandergeschnitten.

Der finanzielle Erfolg des Films festigte die Vormachtstellung der USA auf dem Gebiet des Films; seine künstlerischen Mittel dienten einer ganzen Generation junger Regisseure als Vorbild.
The Birth of a Nation
"The Birth of a Nation" von D.W. Griffith aus dem Jahr 1915 ist wohl einer der umstrittensten Filme der amerikanischen Filmgeschichte. Filmerisch und filmtechnisch als "landmark movie" und als rassistisch gleichmaßen tituliert, beruht der Film auf dem schwarzenfeindlichen Theaterstück "The Clansman" von Thomas Dixon.
Geschichtlicher Hintergrund ist der amerikanische Sezessionskrieg von 1866 und die Reconstruction Ära danach. Im Fokus stehen zwei Familien, die Stonemans aus dem städtischen Norden (Washington) und die Camerons aus dem ländlichen Süden. Die politischen Ereignisse wie der Krieg General Shermans, der Wahlsieg der Schwarzenpartei in den Südstaaten und die Ermordung Lincolns werden darum herumgesponnen und dienen als chronologischer und dramaturgischer Faden.
Der ausführliche Plot des Dreistünders sei bei Tim Dirks ausführlichem Review nachgelesen, hier nur soviel:
In Part One werden die Vorbereitungen und der Sezessionskrieg behandelt. Beide befreundete Familien sind nun offizielle Feinde, der Norden zieht gegen den Süden zu Felde, um die Lincoln-Resolution vom Wahlrecht und Freiheit der Schwarzen durchzusetzen. Dabei werden ein Sohn des Stonemans und zwei Söhne der Camerons getötet.
Part Two illustriert die Reconstruction nach dem Bürgerkrieg. Die Schwarzen gewinnen bei den Abgeordnetenwahlen in den Südstaaten und beginnen ihre Herrschaft in den Staaten mit Unterstützung der Yankees zu errichten. So besucht der alte Stoneman die Kleinstadt der Camerons, um dort den schwarzen Bürgermeister Silas zu protegieren. Die Camerons, zunehmend entmachtet, beginnen damit, eine Bürgerfront gegen die neue Macht aufzubauen: den Ku-Klux-Klan. Die Situation spitzt sich zu als Silas Camerons Tochter ehelichen möchte und sein Gefolgsmann Gus ihr hinterherstellt. Auf ihrer Flucht kommt sie zu Tode ("lieber tot als von einem Schwarzen entehrt"). Der KKK spürt Gus auf und hängt ihn.
Als daraufhn Silas die Camerons unter Hausarrest stellt und diese in ein entlegenes Blockhaus fliehen, eskaliert der Konflikt vollends. Der KKK kann die Gefangenen befreien und zieht gegen die Kleinstadt, in der mittlerweile die Lage durch marodierende Schwarzenverbände ausser Kontrolle geraten ist.
Die weißen Verbände siegen und reiten in weißer Vermummung durch die Straßen. In den folgenden Wahlen tragen sie wieder den Sieg davon, nachdem den Schwarzen das Wahlrecht wieder aberkannt wurde. Der Film endet mit einer Doppelhochzeit zwischen den Söhnen und Töchtern der Camerons und dem pathetischen Versprechen wieder "Liberty and Union, one and inseparable, now and forever" unter dem Schutz des einen Gottes hergestellt zu haben.
"The Birth of a Nation" ist zweifellos filmtechnisch ein Meisterwerk: die Massenszenen des Krieges, die Kameraführung, die Blendentechnik und Lichtführung sind epochemachend.
Allerdings hat hier ein Mastermind an einem gefährlichen Stoff gearbeitet, und es ist wohl unverständlich, dass Griffith später die Aussagen seines Film verteidigt hat mit der Bemerkung, es sei wohl noch nie einer mehr missverstanden worden. Es ist hier wohl das am Werke, was Walter Benjamin später als den gefährlichen Zug zur "Ästhetisierung der Politik" bezeichnet hat.
Die Dichotomie von Schwarz und Weiß und ihre Aufladung mit moralischem Gehalt, ist so offenkundig böswillig wie genial umgesetzt. Es macht einen frösteln. Ebenso die pathetische Bigotterie und Wertevermittlung des "One and Inseparable", die wohl bestenfalls als Aufforderung an die Südstaaten verstanden werden kann.
Dabei sei nur am Rande erwähnt und dem "Zeitgeist" althergebrachter "Ständeklausel" zuzurechnen, dass die Hauptcharaktere nur von Weißen gespielt werden, die schwarzen Charaktere wie Silas sind geschwärzte Weiße.
Tatsächlich führte der Film, der zu einem großen Kassenerfolg wurde, zu einem Revival des KKK.
"The Birth of a Nation" ist ein Meilenstein des Filmschaffens und kann stofflich wohl nicht mehr als zeitgemäß betrachtet werden, enthüllt er doch einige Schattenseiten der American Values, mit denen die Welt auch heute noch zu kämpfen hat.
Wolfgang Melchior


(2) Birth of a Nation
David W. Griffith drehte von 1908 bis 1913 weit über 400 Kurzfilme und versuchte in dieser Zeit die Erzähltechniken seiner literarischen Vorbilder, allen voran Charles Dickens, auf die Filme zu übertragen.
Er entwickelte dabei die filmischen Möglichkeiten, durch die er spätestens mit seinen u. a. von den italienischen Ausstattungsdramen beeinflußten Monumentalfilmen "Birth of a Nation" (1915) und "Intolerance" (1916) zum "Vater der Filmkunst" wurde.
Der 3-Stunden-Film "Birth of a Nation", der das Schicksal zweier Familien im amerikanischen Bürgerkrieg darstellt, enthält nahezu alle bekannten filmkünstlerischen Ausdrucksmittel. Auch kommerziell war der Film ein gewaltiger Erfolg. Inhaltlich betrachtet wurde dem Film allerdings Rassismus und Sympathie für den Ku-Klux-Klan vorgeworfen.
Als Reaktion darauf und aufgrund des unerwarteten Erfolgs von "Birth of a Nation" realisierte Griffith "Intolerance", einen Monumentalfilm gegen die Unterdrückung des Guten durch das Böse mit mehreren tausend Statisten und überdimensionalen Bauten. Es werden vier abgeschlossene Gedichte aus vier Epochen parallel erzählt, die zum Ende des Films in immer schnellerem Rhythmus bis hin zur dramatischen Schlusssequenz wechseln, eine häufig von Griffith eingesetzte Technik. Der Film erwies sich aufgrund der immensen Produktionskosten und der komplizierten Erzählstruktur, die vom Publikum nicht verstanden wurde, als finanzielle Katastrophe.
Unabhängig von der Kritik an der "(...) Beschränktheit seiner naivmoralischen Perspektive (...)", die auch bei "Intolerance" nicht ausblieb, ist Griffith von großer Bedeutung für die Entwicklung der filmischen Gestaltungsmittel. U. a. setzte er verstärkt Großaufnahmen von den Gesichtern der Schauspieler ein, um deren Minenspiel voll nutzen zu können. Gleichzeitig versuchte er deren übertriebene Gestik, das diese vom Theater gewöhnt waren, durch einen natürlichen Ausdruck zu ersetzen.
Auch die sozialen Verhältnisse der dargestellten Personen sind vom Realismus geprägt. Im technischen Bereich setzte Griffith, z. B. durch Einführung eines neuen Beleuchtungssystems oder durch Verbesserung der Krantechnik, neue Maßstäbe. Die größte Bedeutung hat Griffith aber durch seine Perfektionierung der Montage, z. B. durch die bereits erwähnte Parallelmontage zur dramatischen Beschleunigung der Bildfolgen auf die "Rettung in letzter Minute" hin (Beschleunigungsmontage).
Im russischen Revolutionsfilm der 20er Jahre, v. a. bei Sergej M. Eisenstein, wurde diese Technik nochmals weiterentwickelt, weg von der erzählenden Funktion und hin zur metaphorischen Gegenüberstellung von Gegensätzen, um die Bedeutung der Bilder zu verstärken und somit das Publikum zu aktivieren (Attraktionsmontage).
Aber bereits mit David W. Griffith fanden die grundlegenden gestalterischen Mittel "(...) zu der Vollkommenheit, die den Film als der Literatur ebenbürtiges Medium erscheinen lassen konnten."


(3) Birth of a Nation
Mit diesen ausgefeilten Techniken schuf Griffith 1915 sein erstes großes Meisterwerk The Bith of a Nation [Die Geburt einer Nation]. Der dreistündige Film erzählt die Schicksale einer befreundeten Nord - und Südstaaten - Familie während und nach dem amerikanischen Bürgerkrieg von 1861 bis 1865. Die aufwendig gestalteten Schlachtszenen, gefärbte Abschnitte für dramatische oder emotionale Effekte und der sog. "Iris"-Effekt (Zusammenziehen oder Ausweiten einer Maske) begeisterten das Publikum . Das Werk wurde ein großer finanzieller Erfolg. Allerdings erntete es auch Kritik, da es durch die Verherrlichung des Ku-Klux-Klans als eindeutig rassistisch galt.

Intolerance
Sein noch giantischeres Werk Intolerance von 1916 wurde dagegen ein finazieller Reinfall. In vier analog laufenden Episoden - dem Fall Babylons, der Bartholomäusnacht, der Passion Cristi und der zeitgenössischen Geschichte "Die Mutter und das Gesetz" - will Griffith aufzeigen, dass Intoleranz seit jeher das menschliche Handeln bestimmt. Die Parall-und Kontrastmontage verwirrte die Kritiker und machte den Film für sie unverständlich. Heute dagegen gilt Intolerance als einer der besten Filme der Filmgeschichte.